Evelyn Friedrich-Bergdolt: „Je besser die Zahlen, desto leichter bekommt man Mezzanine!“ (Ausgabe 3/2009)

Interview mit Evelyn Friedrich-Bergdolt, geschäftsführende Gesellschafterin, Lutter & Partner GmbH

Um die Eigenkapitalquote und das Wachstum eines Unternehmens zu stärken, sind Alternativen zum klassischen Firmenkredit gefragt. So nutzt der Personal Care-Anbieter Lutter & Partner GmbH Mezzanine.

Um die Eigenkapitalquote und das Wachstum eines Unternehmens zu stärken, sind Alternativen zum klassischen Firmenkredit gefragt. So nutzt der Personal Care-Anbieter Lutter & Partner GmbH Mezzanine. Geschäftsführerin und Hauptgesellschafterin Evelyn Friedrich-Bergdolt spricht im Interview über ihren Management Buyout sowie die Herausforderungen der Unternehmensführung und -finanzierung.

Unternehmeredition: Frau Friedrich-Bergdolt, Sie haben im Rahmen eines Management Buyouts die Geschäftsführung der Lutter & Partner GmbH übernommen. Wie lief der Übernahmeprozess ab?
Friedrich-Bergdolt: Seit 1990 war ich freiberuflich bei Lutter tätig. Sehr früh begann der Inhaber Ernst Lutter, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen, was ich jedem Unternehmer raten würde. Er fragte, ob ich mich beteiligen möchte. 1996 habe ich die Geschäftsführung und danach schrittweise immer mehr Anteile am Unternehmen übernommen. Ende 2006 wurde ich Hauptgesellschafterin mit Unterstützung der HypoVereinsbank, seit 30 Jahren Hausbank von Lutter. Den ersten Schritt habe ich selbst finanziert – damals war der Unternehmenswert geringer, und auch 2006 hat Ernst Lutter auf eine für mich als Nachfolgerin machbare Größenordnung geachtet.

Unternehmeredition: Was hat Sie dazu bewogen, das Risiko und die Verantwortung eines MBOs auf sich zu nehmen?
Friedrich-Bergdolt: Ich wollte etwas bewegen. Es ist, auch emotional, ein großer Unterschied, ob man Angestellter oder Unternehmer ist. Idealerweise sind der Geschäftsführer und führende Mitarbeiter am Unternehmen beteiligt und haften persönlich. In der heutigen Zeit kommt es mehr denn je auf Ergebnisse und Verantwortung an. Ich glaube, dass zu viele Manager dieses Thema scheuen und es deshalb manchem Unternehmen so schlecht geht. Unserer Wirtschaft hilft es, wenn die Hängematte nicht mehr so gemütlich ist – insofern hat die Krise auch etwas Gutes. Bis heute habe ich meine Entscheidung nicht bereut. Ich habe mir alles, was ich besitze, selbst erarbeitet und hätte das niemals so erwirtschaften können, wenn ich nicht Unternehmerin wäre. Alles hat allerdings zwei Seiten: Unternehmer ist man 24 Stunden am Tag, ständig sind Risiko und Verantwortung präsent. Dieser Schritt muss gut überlegt sein, wenn man jedoch zu lange zögert, ist man nicht der Richtige – die Wirtschaft braucht Macher!

Unternehmeredition: Mittlerweile halten Sie die Mehrheit an der Lutter & Partner GmbH. Skizzieren Sie bitte kurz Ihren Weg hin zur Hauptgesellschafterin.
Friedrich-Bergdolt: Ich habe mit einem Anteil von 12,5% begonnen, dann auf 25% erhöht. Danach gab es eine schwierige Phase, denn bei einem Generationswechsel treffen immer unterschiedliche Ansichten und Blickwinkel aufeinander. Auf einem Schiff darf es allerdings nur einen Kapitän geben. Im Laufe des Jahres 2006 kam ich zur Gewissheit, dass ich entweder dieser Kapitän sein will oder von Bord gehe – der Steuermann wollte ich nicht dauerhaft sein. Daraufhin habe ich Ernst Lutter gebeten, sich zu entscheiden, ob er mir das Ruder komplett übergibt oder ganz behält – er gab es aus der Hand. Trotz seiner vorausschauenden Planung tat er sich auch letztendlich schwer – für einen Unternehmer ist das, als würde er das eigene Kind verkaufen. Bis heute hält er zwar noch Anteile, ist jedoch nicht mehr operativ tätig.

Unternehmeredition: Seit 2006 haben Sie zweimal das Wachstum über eine stille Beteiligung der BayBG gefördert. Warum entschieden Sie sich für dieses Mittel der Unternehmensfinanzierung?
Friedrich-Bergdolt: Das operative Geschäft wird durch eine stille Beteiligung wenig beeinflusst und die Eigenkapitalquote erhöht. Im Rahmen der Rating-Kriterien war bei Lutter eine Eigenkapitalstärkung nötig, also war die Mithilfe der BayBG sehr wichtig für den weiteren Erfolg – sie setzte ein positives Signal gegenüber den Banken. Auch war die Zusammenarbeit mit der BayBG sehr schnell, effizient und problemlos. Die Beteiligung ist zwar befristet, jedoch wurde schon vorab eine mögliche Verlängerung signalisiert. In die Marke Carrera, unser Flaggschiff, musste außerdem investiert werden, zudem in Patente und Registrierungen. So konnten wir seit 2006 ein Umsatzwachstum von über 50% erreichen.

Unternehmeredition: Welche Vor- und Nachteile besitzt Mezzanine Ihrer Einschätzung nach im Vergleich zu anderen Finanzierungsinstrumenten?
Friedrich-Bergdolt: Ein ganz klarer Vorteil ist die Stärkung der EK-Quote, ohne dass man monatlich oder jährlich eine Tilgung leisten muss. Nachteilig ist: Schon weit vor Ablauf des Vertrags muss sich das Unternehmen damit beschäftigen, wie es die spätere Rückzahlung leisten kann. Außerdem ist zu beachten, dass Mezzanine relativ teures Kapital ist.

Unternehmeredition: Wie stellt sich derzeit für Sie die Finanzierungssituation angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise dar?
Friedrich-Bergdolt: Unser Unternehmen kann zwar auch im Jahr 2009 dank fixer Aufträge voraussichtlich ein Umsatzwachstum in Höhe von 20% verzeichnen, jedoch ist es schwierig, diese Aufträge vorzufinanzieren. Die Bankenlandschaft hat sich vollkommen verändert, Regeln und Zusagen, die früher einfach über die Bühne gingen, ziehen sich heute in einem wochen- oder monatelangen Prozess hin. Kreditlinien werden anders diskutiert oder ganz in Frage gestellt. Dies hat nicht zwangsläufig mit dem Unternehmen zu tun, die Banken können aufgrund interner neuer Vorgaben meist nicht anders handeln. Außerdem sind deren Mitarbeiter mit Entscheidungen sehr vorsichtig geworden: Als Unternehmer muss ich täglich Verantwortung für Risiken übernehmen, im Bankenbereich aber habe ich den Eindruck, dass die Zuständigen nicht mehr oder zumindest weniger als früher dazu bereit sind. Wir suchen für uns deshalb verstärkt nach Alternativen, haben schon andere Bankenpartner angesprochen und werden in Zukunft noch intensiver mit alternativen Finanzierungswerkzeugen wie Factoring und Forfaitierung arbeiten.

Unternehmeredition: Welchen Rat würden Sie anderen Unternehmern beim Umgang mit Mezzanine geben?
Friedrich-Bergdolt: Aufgrund der Wirtschaftskrise sollte jeder Unternehmer seine Firma kritischer als noch vor ein, zwei Jahren betrachten. Es ist notwendig, „Aufräumaktionen“ durchzuführen, vieles auf den Prüfstand zu stellen – Unternehmen haben jetzt die Chance, sich möglicherweise besser zu entwickeln, weil intensiver auf die Bilanzkennzahlen geachtet wird. Das hilft auch bei einer Mezzanine-Finanzierung: Je besser die Zahlen sind, desto leichter ist dieses Kapital zu bekommen. Da im Moment ein Unternehmen fast nur auf Sicht gesteuert werden kann, ist es für jeden ratsam, den Fokus konsequent auf Cashflow und Bilanzkennzahlen zu richten. Meine wichtigste Aufgabe in den letzten Jahren war die Umstellung eines inhabergeführten Unternehmens, dessen vorrangiger Maßstab Vertrieb und Marketing war, zu einer Firma, die nach Controllinggesichtspunkten und von einer Führungsmannschaft gesteuert wird, welche sich durch hohe Kompetenz und Eigenverantwortung auszeichnet. Das erachte ich als wichtig für jeden, der einen MBO oder eine Mezzanine-Beteiligung plant. Die beste Idee nützt nichts, wenn kein Kapital da ist, um sie zu finanzieren.

Unternehmeredition: Frau Friedrich-Bergdolt, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Esther Mischkowski.
mischkowski@unternehmeredition.de

Zur Person: Evelyn Friedrich-Bergdolt
Evelyn Friedrich-Bergdolt (ef@lutter.de) ist Geschäftsführerin und seit 2006 auch Hauptgesellschafterin der Lutter & Partner GmbH. Aus dem Hause des Personal Care-Anbieters stammen bekannte Marken wie Carrera oder Epilady. www.lutter.de

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