Zeigte sich unzufrieden mit dem Fortschritt des Netzausbaus: Michael Rohde bei Business Leaders in München (© Unternehmeredition/Markus Götzfried)
Zeigte sich unzufrieden mit dem Fortschritt des Netzausbaus: Michael Rohde bei Business Leaders in München.

Die Energiewende stellt viele Herausforderungen, vor allem an Netzbetreiber und Versorgungsunternehmen. Wie der Stand der Dinge ist und was noch vor uns liegt, erklärte Michael Rohde am 24. März bei Business Leaders in München.

Die Energiewende ist ein epochaler Umbruch. Denn die Stromversorgung gleicht nicht mehr einer einspurigen Autobahn, auf der der Strom brav von den Versorgern zu den Verbrauchern fließt. Jetzt wird auch zwischendurch eingespeist, von dezentralen Anlagen hin zu den Versorgern und wieder zurück. Die im Tagesverlauf schwankende Auslastung der Stromnetze – heute schon eine der größten Herausforderungen für die  Betreiber – wird mit Zunahme der regenerativen Energiequellen noch stärker werden: Immer dann, wenn die Sonne besonders stark scheint oder der Wind kräftig bläst. Doch diese Form der Energie kann noch nicht gespeichert werden. Klar ist: Die Strommenge muss klug gemanagt werden. Unternehmen und Verbraucher sollen immer dann besonders viel Strom konsumieren, wenn er ausreichend vorhanden ist. Doch dafür müssen verfügbare Strommenge und erforderlicher Verbrauch 1:1 abrufbar sein. Smart Grids heißt die Losung der Stunde, und sie ist auch im Rahmen der Industrie 4.0 bedeutend.


All das beleuchtete Michael Rohde, Geschäftsführer der Maschinenfabrik Reinhausen. „Die Informations- und Kommunikationstechnologie wird zum Rückgrat der Energieversorgung.“ Er muss es wissen: Die Maschinenfabrik Reinhausen ist Weltmarktführer, wenn es um die Regelung und Steuerung von Strom geht. 50 Prozent des weltweit produzierten Stroms fließen durch ihre Transformatoren. Doch in Deutschland geht ihm der Netzausbau zu langsam – was vor allem an der Politik liegt. „Bislang gibt es keine ausreichenden wettbewerblichen Anreize für die Netzbetreiber, beim Ausbau auf Effizienz zu achten.“ Als verantwortungslos bezeichnete er die Haltung des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der nicht mal den Versuch unternommen hat, den Wählern den Vorteil neuer Stromtrassen zu erklären – wenn sie denn mit der neuen Technologie ausgebaut sind. Denn dass der Ausbau kommen muss, ist sicher. „Dieses Jahrhundertexperiment Energiewende, für das wir vom Rest der Welt mit einer Mischung aus Entsetzen und Erstaunen beobachtet werden, wird uns bis 2035 begleiten“, so der Experte. Die Kosten, die dabei auf Deutschland zukommen, schätzt er in etwa so hoch ein wie die für die Wiedervereinigung.

Die Veranstaltungsreihe Business Leaders von LSG & Kollegen und der Unternehmeredition gibt exklusive Einblicke in die Welt deutscher Hidden Champions.

16.6.2016 mit Jens Monsees, BMW AG
29.9.2016 mit Oliver Hermes, WILO SE
8.12.2016 mit Dr. Stefan Wolf, ElringKlinger AG

Alle Veranstaltungen finden im bayerischen Hof in München statt. Teilnahme auf Anfrage bei Lukas Neumayr (neumayr@unternehmeredition.de)