Jungunternehmer unter sich: Lena Schaumann, Verena Bahlsen, Maximilian Deharde und Rick von der Becke.
Jungunternehmer unter sich: Lena Schaumann, Verena Bahlsen, Maximilian Deharde und Rick von der Becke.

Der Campus for Family Business an der Otto Beisheim School of Management (WHU) beschäftigte sich mit den Perspektiven von Unternehmerfamilien wie der Integration von Start-ups, Verkaufsoptionen oder dem Vermögensmanagement. Neben fundierten Analysen kamen auch radikale Stimmen zu Wort.

Prof. Nadine Kammerlander bei ihrem Eröffnungsvortrag: Acht Thesen für das Familienunternehmen der Zukunft.
Prof. Nadine Kammerlander bei ihrem Eröffnungsvortrag: Acht Thesen für das Familienunternehmen der Zukunft.

Die Veranstalter um das Institut für Familienunternehmen haben den Anspruch, mit dem Campus den Austausch zwischen akademischer Forschung und praktischer Unternehmensführung zu stärken. Was die Wissenschaft betrifft, so untermauerte Institutsleiterin Prof. Nadine Kammerlander zu Beginn mit acht Thesen den durchaus provokanten Titel der Veranstaltung. Kammerlander griff dabei zentrale Schlagworte wie Innovation, Digitalisierung, Disruption oder Single-Family Office auf und leitete davon spezielle Herausforderungen für Familienunternehmen ab. Dabei betonte sie Eigenschaften, mit denen Familienunternehmen Antworten auf den Wandel in der Wirtschaft finden können: etwa die besondere Führungskultur, die Arbeitgebermarke oder aber auch die strategische Einstellung zum wohlüberlegten Risiko.


Die Gesprächsrunden

In den sich abwechselnden Gesprächsrunden, Workshops und Impulsvorträgen vertieften die etwa 160 Teilnehmer die Thesen. In der ersten Gesprächsrunde mit den beiden Unternehmerfamilien Grillo (Grillo-Werke AG) und Grupp (Plastro Mayer GmbH) saßen jeweils Vater und Tochter. Beide Familien stellten dabei klar: Auch wenn sie die Zukunft des Unternehmens gestalten wollen, darf dieses nicht von der familieninternen Nachfolge abhängig sein.

In der zweiten Gesprächsrunde versammelten sich vier Junior-Gesellschafter, unter ihnen als prominenteste Vertreterin Verena Bahlsen vom gleichnamigen Süßgebäckhersteller. Sie ist seit vier Jahren im Familienunternehmen beschäftigt und betreibt ein eigenes Start-up. Im Gespräch überraschte sie mit fundamentalkritischen wie erfrischend offenen Worten über die Lebensmittelbranche. Sich selbst sieht sie dabei nicht in der Rolle einer klassischen Managerin, sondern vielmehr als Ideengeberin. Diese neue Art, Verantwortung zu übernehmen, teilten ihre Gesprächspartner – wie Lena Schaumann, die ebenfalls vor Jahren ein eigenes Start-up gründete. Auch sie möchte ihr Unternehmen Möbel Schaumann nachhaltig verändern. Die Welt sei schließlich größer als der Unternehmenssitz in der Knorrstraße in Kassel, lautete ihr Resümee.

Die Workshops

Die interaktiven Workshops dienten den Teilnehmern als Plattform, eigene Thesen oder Meinungen mit Experten in kleinerer Runde zu diskutieren. Parallel fanden jeweils drei solcher Kurse statt. In einem Workshop ging es buchstäblich um den „Sinn und Unsinn der Zusammenarbeit von Start-ups mit Familienunternehmen“. Hier debattierten Philipp Möller, der unter anderem Gesellschafter mehrerer Hagebau-Filialen ist und eine Start up-Initiative gegründet hat, und Reiner Strecker von Vorwerk. Dabei ging es um den Unterschied zwischen Wagniskapital und der strategischen Beteiligung an Start-ups. Außerdem gab es unterschiedliche Ansichten, ob interne Start-ups räumlich von der Muttergesellschaft getrennt werden sollen.

In der zweiten Workshop-Runde stellten zwei Doktoranden der WHU eine empirische Studie über Single-Family Offices vor und diskutierten ihre Forschungsergebnisse anschließend unter anderem mit Alexander Schaeff, der seit einigen Jahren ein Family Office betreibt. Er und seine Gesprächspartner betonten, dass es einen Unterschied gebe zwischen Unternehmertum und unternehmerischem Investieren.

Die Impulsvorträge

Christiane Underberg bei Ihrem Vortrag "Mensch vor Struktur": Der Wandel gelingt, wenn die Mitarbeiter mündig sind.
Christiane Underberg bei Ihrem Vortrag “Mensch vor Struktur”: Der Wandel gelingt, wenn die Mitarbeiter mündig sind.

gab es zwei Keynotes. Im ersten Impulsvortrag referierte Felix Fiege, Geschäftsführer in der fünften Generation bei Fiege Logistics, über den Innovations-Spirit der Start-up-Szene, den er auf das Familienunternehmen übertragen möchte. Unter dem Leitgedanken „Kooperieren statt Kopieren“ hat das Traditionsunternehmen bereits mehrere Jungunternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen entwickelt.

Christiane Underberg, Geschäftsführerin der Semper idem Underberg AG, versteht Innovation ebenfalls im Sinne von ganzheitlichem Wandel in der Unternehmenskultur. Voraussetzung für diesen Wandel ist ihrer Ansicht nach, dass die Mitarbeiter vor die Organisation gestellt werden und mittels ihrer Kompetenz alte Muster hinterfragen können.