Frank Anisits bei seinem Vortrag: Viel zum Thema Industrie 4.0 recherchiert.
Frank Anisits von der Hirschvogel Group bei seinem Vortrag: Viel zum Thema Industrie 4.0 recherchiert.

Bei den Business Leaders skizziert Frank Anisits von der Hirschvogel Group die Stufen der Industrie 4.0. Neue Konzepte der Smart Factory erhalten schrittweise Einzug in die Produktion. Allerdings sind die meisten Anwendungen noch in der Probephase.

Das Alte und das Neue ist manchmal nur ein Farbunterschied auf einer Folie. Am Ende seines Vortrags zeigt Frank Anisits, technischer Geschäftsführer bei Hirschvogel,  den Grundriss einer Fertigungslinie mit ihren vielen Strängen und Verästelungen. An einzelnen Punkten sind die neuen Technologien markiert: KI, VR, Generative Fertigung, Kollaborierende Roboter und einige mehr. Was so übersichtlich daherkommt, betrifft in Wirklichkeit den Anfang eines neues Weges, um Produktivität, Qualität und Arbeitssicherheit zu steigern.


Mit über 1,1 Mrd. Euro Umsatz und rund 5.500 Mitarbeitern gehört Hirschvogel zu den großen Playern in der Automobil- beziehungsweise Zulieferindustrie. Wachstumszahlen jenseits von zehn Prozent jährlich belegen die gute Geschäftslage. Doch der Wettbewerb ist härter geworden, nicht zuletzt wegen der rasanten technologischen Entwicklung. Dazu kommt der neue politische Druck durch E-Autos und künftige Fahrverbote.

„Plug and play statt plug and pray“

Hirschvogel möchte auch künftig seine Stellung als effizienter Qualitätsanbieter behaupten und hat zum Thema Industrie 4.0 viel recherchiert, so viel wird an diesem Abend klar. Frank Anisits präsentiert verschiedene Videos: vom Fraunhofer Institut bis zu BMW. Hirschvogel hat auch selbst ein Video für die Mitarbeiterbildung produziert.

Aktuell werden verschiedene Projekte ausprobiert, entwickelt oder programmiert, von denen Anisits im Laufe des Abends zwölf vorstellt. Beim einen geht es um Big Data-Analysen von Umformpressen, bei denen bis zu 80 Parameter vom Druck über die Temperatur bis hin zum Vibrationsverhalten untersucht werden. Das Ziel: Effizienz optimieren und Verschleiß minimieren. Beim Thema „Virtuelle Inbetriebnahme“ werden für ausgewählte Produktionslinien sogenannte digitale Zwillinge angelegt, die Fehler aufzeigen, bevor sie beim künftigen physischen Bruder auftreten. Anisits fasst die Prämisse dahinter zusammen: „Plug and play statt plug and pray.“

Viele der Projekte gehören noch nicht zum Tagesgeschäft, sondern befinden sich in der Probephase. Dazu nutzt Hirschvogel seine verschiedenen Standorte weltweit. In Indien kommen beispielsweise kollaborierende Roboter zur Anwendung, die den Mitarbeitern im wahrsten Sinne des Wortes zur Hand gehen.

Freiheitsgrade fördern Innovation

Auch wenn die Digitalisierung mittlerweile zum Unternehmensprogramm gehört, wird bei Investitionen in innovative Konzepte nicht hart budgetiert: „Es gibt kein striktes Controlling, sondern die Werke haben relative Freiheit bei der Erprobung neuer Technologien“, unterstreicht Anisits. Die Innovation soll nicht durch Bürokratie abgewürgt werden.

Andererseits bekommt nicht jede smarte Technologie einen Freifahrtschein: „Man gewinnt manchmal den Eindruck, dass alles Industrie 4.0 werden muss. Doch nicht jede Anwendung, die modern und schick ist, bietet auch einen Mehrwert“. Gerade bei neuen Software-Lösungen für die Verwaltung hat Hirschvogel Lehrgeld zahlen müssen. Mittlerweile programmmiert Hirschvogel einzelne Anwendungen selbst, statt Geld für inkompatible Standardprogramme zu zahlen.

Mit seinen Ambitionen, die Industrie 4.0 zu erschließen, versteht sich Hirschvogel als Vorreiter. Anisits zeigt sich jedenfalls überrascht, wieviele vermeintlich etablierte Technologien noch in den Kinderschuhen stecken. „Die Industrie gibt oft vor, etwas zu können, von dem sie jedoch noch meilenweit entfernt ist.“ Entsprechend resümiert er: „Es liegt noch ein richtig langer Weg vor uns.“

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