Solarworld meldet Insolvenz an

Produktionsstandort in Freiberg/Sachsen: Viele Arbeitsplätze sind in Gefahr.

Die Bonner Solarfirma Solarworld ist überschuldet und stellt Insolvenzantrag. Das Unternehmen sieht keine positive Fortbestehungsprognose mehr. Der Aktienkurs bricht ein.

Jetzt hat es auch das einstige Vorzeigeunternehmen Solarworld erwischt. Am heutigen Donnerstag will das Unternehmen Insolvenz anmelden. Der Vorstand kam nach Prüfung zum Ergebnis, dass es keine positive Prognose des Fortbestands mehr gäbe. Dass es dem Bonner Solarunternehmen nicht gut geht ist längst bekannt. Dennoch kam der Zeitpunkt der Bekanntgabe etwas überraschend.

Dunkle Wolken sollten sich aufhellen

Noch im Februar, zur Vorlage der vorläufigen Geschäftszahlen, gab sich Solarworld verhalten optimistisch. Unter Annahme, dass keine außergewöhnlichen Preisrückgänge eintreten, rechnete das Unternehmen mit steigenden Absatzmengen für das Jahr 2017 und einem verbesserten, wenn auch negativen operativen Ergebnis. Noch im April sagte Vorstandsche Frank Asbeck voraus, dass er mit einem scharfen Sparprogramm bis zum Jahr 2019 wieder aus der Verlustzone herauskommen will.

Kampf an verschiedenen Fronten

Seit Jahren kämpft Solarworld mit dem Preisverfall bei Solarmodulen: Alleine im Jahr 2016 fielen die Weltmarktpreise um rund 20 Prozent. Vor allem chinesische Anbieter schwemmten mit Billigangeboten den Markt. Stets plädierte Asbeck dafür Dumpingpreise zu unterbinden und forderte Einfuhrzölle für chinesische Ware. Und tatsächlich verhängte die EU-Kommission Antidumpingzölle. Allerdings fanden viele Unternehmen Wege, diese zu umgehen. Letztlich änderte Solarworld die Strategie. Anstatt auch weiterhin auf austauschbare multikristalline Solarmodule zu setzen, wollte Asbeck künftig in monokristalline Module investieren. Diese sind qualitativ hochwertiger, sie haben einen höheren Wirkungsgrad. Das Massengeschäft überließ Asbeck den Chinesen.

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Modul von Solarworld: Die Konkurrenz aus Asien wurde zu stark.

Rechtstreit mit Lieferant

Zusätzlich gefährdete ein Rechtstreit mit dem US-amerikanischen Herstellers von Silizium, Hemlock, die Überlebensfähigkeit des Konzerns. Das Unternehmen wirft Solarworld vor, eine vorher vereinbarte Menge an Silizium nicht abgenommen zu haben und forderte einen Schadenersatz in Höhe von 800 Mio. Dollar. Ein US-Gericht bestätigte dies, Solarworld legte Berufung ein. Zuletzt schien es so, als würden sich die Parteien aufeinander zu bewegen.

Aktienkurs bricht ein

Der Aktienkurs von Solarworld brach am Vormittag um mehr als 80 Prozent auf 0,70 Euro ein. Zu den besten Zeiten, im Jahr 2006, kostete ein Anteilschein der Bonner splittbereingt mehr als 42.000 Euro. Noch 2009 galt der Solarkonzern als heißer Anwärter auf einen Platz im Deutschen Aktienindex. Hohe Subventionen ließen damals die Gewinne in die Höhe schießen. Die Industrie wurde als künftiger Exportschlager gefeiert. Heute fluten Module ausländischer Wettbewerber den Markt.