Den Schritt wagen: Viele Mittelständler haben Angst vor unkalkulierbaren Risiken.
Den Schritt wagen: Viele Mittelständler haben Angst vor unkalkulierbaren Risiken.

Laut einer Studie der Commerzbank traut sich der Mittelstand nicht zu investieren. Und dass, obwohl wieder mehr Unternehmen zu langfristigen Entscheidungen und Risiko bereit sind.

Eigentlich sieht alles nach einer Trendwende aus: Zum ersten Mal seit zwei Jahren will der Mittelstand wieder investieren. 53% aller Unternehmen sind bereit wieder langfristig zu planen und dementsprechende Risiken einzugehen. Vor zwei Jahren waren es noch 38%. Das zeigt die Studie „UnternehmerPerspektiven“ der Commerzbank, deren Basis für die mehr als 4.000 Mittelständler befragt wurden.

Ob die Unternehmen aber deshalb konkrete Schritte hin zu Investitionen unternehmen, ist alles andere als sicher. Denn in der Praxis überwiegt meist die Vorsicht. „Die Zufriedenheit der Mittelständler mit ihrer Umsatzrendite sinkt“, so Markus Beumer, Vorstandsmitglied der Commerzbank und zuständig für das Mittelstandsgeschäft. Vor allem schwankende Rohstoffpreise, der Fachkräftemangel sowie die bürokratische Hürden machen den Unternehmen zu schaffen. Finanziell steht der Mittelstand aber hervorragend da, 66% wollen sogar ohne Fremdkapital investieren.

Objektiv gibt es also keine Begründung für die Zurückhaltung. Das sieht auch die Mehrzahl der für die Studie befragten 70 Volkswirtschaftler so. „Dass Vorsicht dominiert und offenkundig die Fantasie fehlt, muss Sorgen machen“, meint etwa Professor Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln und Schirmherr der aktuellen Studie. Denn im globalen Wettbewerb seien die Investitionsstrategien des Mittelstands heute so entscheidend wie schon lange nicht mehr.

Momentan wird im Mittelstand zu 75% in Substanzerhalt und zu 73% in Wachstum investiert. Globalen Wirtschaftstrends laufen die Unternehmen dabei nicht hinterher. Allenfalls die Digitalisierung wird als Chance gesehen, hier gaben 41% an, positives Potenzial zu sehen. Ganz oben auf der Liste steht auch das Thema Fachkräftemangel: 91% investieren in Aus- und Weiterbildung ihrer Belegschaft, 75% in die Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Auch der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ist bei Investitionen entscheidend: 77% sind offen für Anregungen und Rückmeldung der Kunden, 70% wollen die Qualität optimieren. www.unternehmerperspektiven.de