Großes Misstrauen: An ihr Vermögen lassen Unternehmerfamilien meist nur sich selbst.

Das Modell Family Office ist bei deutschen Unternehmerfamilien noch kaum angekommen: Nicht einmal jede zehnte vertraut ihr Privatvermögen einem entsprechenden Office an. Am liebsten verwalten Unternehmer ihr Vermögen selbst. Das ergab eine Umfrage der Universität Witten/Herdecke mit dem Düsseldorfer Family Office WSH.

Gute 80% der deutschen Unternehmerfamilien verwalten ihr Vermögen selbst. 30% ziehen dabei den Rat verschiedener Banken oder ihrer Steuerberater hinzu (15%). Einem Family Office vertrauen gerade mal 7,5% der befragten Unternehmerfamilien ihr Privatvermögen an.

Grund ist das geringe Vertrauen gegenüber Banken und Vermögensverwaltern. Vor allem die Finanzkrise habe ihr Übriges getan.

Gerade in dieser Situation könnten Family Offices aber punkten: Denn deren Unabhängigkeit und Verzicht auf den Vertrieb von Eigenprodukten erkennen die Unternehmerfamilien durchaus an. Auch sprechen sie ihnen auf sie zugeschnittene Kompetenzen zu: 60,4% meinen, dass Family Offices die spezifische Situation von Unternehmerfamilien sehr gut verstehen. 49% erkennen an, dass sie sich speziell zur Unterstützung der Familienstrategie eignen.

Für Prof. Dr. André Schmidt, den Leiter der Studie, ist daher klar, dass Family Offices an ihrem Bekanntheitsgrad arbeiten müssen: „Das Dienstleistungsangebot ist einerseits noch zu wenig konkret und zu unbekannt.“ Denn Family Offices verwalten nicht nur Vermögen, sondern beraten auch bei Themen der Nachfolge oder bei der Umsetzung des Familienwillens. Viele Unternehmerfamilien sehen schlichtweg keine Alternativen zu den klassischen Finanzdienstleistern: 57% haben noch nie über die Nutzung oder Gründung eines Family Offices nachgedacht. 17% haben den Gedanken zumindest einmal in Erwägung gezogen.

Doch in einem diskretionsgeprägten Markt wie der Vermögensverwaltung müssen Marketing-Strategien wohl überlegt sein. Ein zu aggressives Auftreten kann eher verprellen als Vertrauen anzulocken. „Es ist zu fragen, ob Wachstumsstrategien überhaupt ein geeignetes Konzept für Family Offices sind“, so Schmidt. Denn sie werden erst dann aktiv, wenn die Familien auf sie zukommen. Unerlässlich sei deshalb Netzwerkarbeit. „Hier können deutsche Family Offices sicherlich noch aufholen.“