Die neue Normalität

Wolken am Horizont? Laut Deloitte muss man sich daran gewöhnen.
Wolken am Horizont? Laut Deloitte muss man sich daran gewöhnen.

Trotz einiger geopolitischer Krisenherde und rezessiver Tendenzen sieht die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte die Weltwirtschaft auf einem guten Weg. Besonders aufmunternd hört sich der aktuelle „Global Economic Outlook“ aber nicht an. Die Industrienationen werden langsamer wachsen, Schwellenländer aufholen und systemische Risiken abnehmen – also alles normal?

Vor allem in Europa beobachtet Deloitte ein Wachstum der zwei Geschwindigkeiten. Auch wenn die allgemeine Entwicklung Gutes verheiße und Länder wie Portugal und Griechenland an die Kapitalmärkte zurückgekehrt seien, stünden wichtige Strukturreformen aus. Zuletzt überraschte Italien mit einem Rückfall in die Rezession. Das Wachstum von 0,2 Prozent in der Euro-Zone bezeichnen die Wirtschaftsprüfer denn auch als „anämisch“.

Positiveres gibt es da schon aus den USA zu vermelden. Auch wenn das BIP im ersten Quartal um satte 2,9 Prozent gesunken ist, blieb die Binnennachfrage dennoch stabil. Vor allem im Gesundheitsbereich gäben die US-Bürger wieder mehr aus. Im Mai waren so viele Leute beschäftigt wie zuletzt vor der Krise, der Abbau der Arbeitslosigkeit gewinnt an Tempo – für Deloitte alles Gründe für Optimismus.

Die Schwellenländer hingegen stehen vor einer Konsolidierung. Sie müssen den Sprung vom Mega-Wachstum der letzten Jahre hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung schaffen. Während China vor allem einen Weg aus dem bislang kreditgestützten Wachstum finden muss, stehen für Indien weitreichende Investitionen in die Infrastruktur an. Größtes Sorgenkind der BRIC-Staaten bleibt jedoch Brasilien. Mit einem Wachstum um die null Prozent, einer Inflation von knapp sechs Prozent und wenig Vertrauen von Verbrauchern und Unternehmen seien hier gleich eine Reihe von Reformen notwendig, so Deloitte. Auch unabhängig von der Ukraine-Krise brauche Russland dringend neue wirtschaftliche Impulse: Die Investitionen stocken, der Konsum schwächelt und die Wirtschaft schrumpft insgesamt. www.deloitte.com  

Den „Global Economic Outlook“ finden Sie hier