Manche Unternehmer verschieben aus emotionalen Gründen eine Übergabe nach hinten – andere setzen zu lange auf die eigene Familie. Unter Umständen muss dann unter Zeitdruck ein externer Nachfolger gefunden werden oder – im schlimmsten Fall – das Unternehmen schließen.

Insgesamt rechnen wir damit, dass es bis 2022 weiterhin genügend Nachfolger geben wird. Lediglich in ländlichen Regionen dürften Familienunternehmen tendenziell größere Schwierigkeiten bei der Suche haben als Unternehmen in Ballungsräumen. Insbesondere im Handwerk muss damit gerechnet werden, dass Unternehmer in einzelnen Gewerken nicht mehr genügend Nachfolgeinteressenten finden, weil das jeweilige Berufsfeld insgesamt sehr stark an Attraktivität verloren hat. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl der Arbeitsplätze, die mit einer Unternehmensschließung wegfallen, in anderen Unternehmen anschließend neu entsteht. Voraussetzung ist jedoch, dass die Nachfrage nach den jeweiligen Produkten und Dienstleistungen weiter gegeben ist.


 Frühzeitig Vorsorge treffen

Unabhängig von der Nachfolgersuche ist es für jeden Unternehmer zunächst einmal wichtig, dass er frühzeitig für den Fall eines ungeplanten Ausscheidens vorsorgt – sowohl für das Unternehmen mittels Vollmachten, Unterschriftsberechtigungen und Stellvertretungen als auch für die eigene Familie, etwa durch eine Altersvorsorge und Lebensversicherungen.


„Für die Nachfolgersuche und den Übergabeprozess gibt es hingegen kein Patentrezept – außer dass man gut fünf bis zehn Jahre vor dem gewünschten Ausscheiden damit beginnen sollte.“


Für die Nachfolgersuche und den Übergabeprozess gibt es hingegen kein Patentrezept – außer dass man gut fünf bis zehn Jahre vor dem gewünschten Ausscheiden damit beginnen sollte. Denn gerade wenn sich kein familieninterner Nachfolger findet, lässt sich diese Aufgabe nicht mal so eben neben dem Alltagsgeschäft erledigen: Meist gestaltet sich die Suche nach und Auswahl von geeigneten Nachfolgekandidaten schwierig. Häufig ist sie sogar mehr vom Zufall bestimmt als von einer gezielten Strategie. Auch muss man mit Rückschlägen rechnen: So scheitern Unternehmensübergaben nicht selten daran, dass der potenzielle Nachfolger – insbesondere wenn es sich hierbei um Mitarbeiter oder externe Privatpersonen handelt – den Kapitalbedarf unterschätzt und erst während der Verhandlung beziehungsweise bei der Beantragung der Kredite merkt, dass das finanzielle Risiko für ihn zu groß ist.

Unbedingt realistisch denken

Zu Zeitverzögerungen tragen zudem Unstimmigkeiten über den Wert des Unternehmens bei: So mancher Alteigentümer schätzt diesen höher ein als die Kaufinteressenten. Tatsächlich kommt es jedoch oft vor, dass der bisherige Inhaber aufgrund seiner Übergabepläne schon seit Längerem notwendige Investitionen unterlässt, sodass beispielsweise die technischen Anlagen nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen. Ich betone in diesem Zusammenhang allerdings gerne das Wort notwendig. Denn prinzipiell ist es nicht automatisch negativ, wenn Unternehmer vor einem geplanten Verkauf beispielsweise betriebliche Reorganisationsmaßnahmen unterlassen oder F&E-Aktivitäten zurückfahren. Schließlich müssen die Alteigentümer damit rechnen, dass ihre Investitionen gar nicht vom Nachfolger honoriert werden, weil dieser ganz andere strategische Vorstellungen hat. Generell gilt jedoch: Damit ein Unternehmen nicht an Kaufattraktivität verliert, müssen der Investitionsstau überwindbar sein und die technischen Anlagen dem aktuellen Stand entsprechen. Unabhängig davon prüfen aber auch die Banken vor einer Finanzierung, ob die Unternehmensbewertung angemessen ist. Schließlich sind auch sie nicht bereit, überhöhte Kaufpreise zu finanzieren.

Sich bereitwillig zurückziehen

Ist schließlich die Nachfolge geregelt, gilt es für den Alteigentümer, auch loszulassen – unabhängig davon, ob es sich um eine familieninterne oder -externe Nachfolge handelt. Jegliches Einmischen führt zu Konflikten mit dem Nachfolger, wodurch im Extremfall die Unternehmensexistenz gefährdet werden kann. Besonders hoch ist diese Gefahr, wenn der bisherige Inhaber bislang nur für sein Unternehmen lebte und es versäumt hat, parallel dazu persönliche Interessen und Hobbys zu entwickeln, denen er sich im wohlverdienten Ruhestand widmen kann. Diese Unternehmer fallen oftmals nach dem Berufsende in ein persönliches Loch. Entsprechend stark kann der Wunsch sein, dem Nachfolger Tipps zu geben  – insbesondere wenn der Alteigentümer meint, Fehler bei der Geschäftsführung zu erkennen.


Zur Person

Prof. Dr. Friederike Welter ist hauptamtlich als Präsidentin des IfM Bonn tätig, Lehrstuhlinhaberin an der Universität Siegen sowie gefragte Wissenschaftlerin bei internationalen Forschungsprojekten. Für ihre Forschungstätigkeit über kleine und mittlere Unternehmen ist die Ökonomin bereits mehrfach international ausgezeichnet worden.

www.ifm-bonn.org