Abwärtstrend: Ein Ende der Baisse ist laut Bantleon bis Ende des Jahres nicht in Sicht.
Abwärtstrend: Ein Ende der Baisse ist laut Bantleon bis Ende des Jahres nicht in Sicht.

Das Wachstum der Eurozone befindet sich im Sinkflug. Diese Entwicklung war bereits vor einem halben Jahr absehbar. Die Baisse wird voraussichtlich bis 2019 anhalten.

Am Jahresende 2017 herrschte in den Führungsetagen der Unternehmen der Eurozone große Euphorie. Viele Stimmungsindikatoren erreichten sogar neue Allzeithöchststände. Der Optimismus war dabei breit fundiert und reichte bis weit in den Mittelstand hinein. Dies legt jedenfalls die Aufspaltung der IFO-Ergebnisse nach Gross- und Kleinunternehmen nahe, die kaum einen Unterschied aufwiesen (vergleiche die Graphik). Dazu trug bei, dass der kräftige Aufschwung gleichermassen von der Binnen- und Auslandsnachfrage getragen wurde.


Nachfragesog aus China lässt nach

In Anbetracht dieses Hochgefühls schienen ein kräftiger Investitionsaufschwung und eine weitere Beschleunigung des Wachstumstempos in der Eurozone auf über 3,0 Prozent nur eine Frage der Zeit. Wir von Bantleon waren von vornherein skeptischer. Unsere eigenen, weit vorauslaufenden Frühindikatoren hatten schon lange signalisiert, dass der zyklische Hochpunkt Anfang 2018 durchschritten sein würde.

Breit fundierte Stimmungseintrübung seit Jahresbeginn
Breit fundierte Stimmungseintrübung seit Jahresbeginn

Verantwortlich dafür ist die Eintrübung des weltwirtschaftlichen Umfelds. Die europäischen Unternehmen sahen sich zu Jahresbeginn einer markanten Euro-Aufwertung (+20 Prozent seit Anfang 2017 im Vergleich zum US-Dollar) und kräftig gestiegenen Rohstoffpreisen gegenüber (+50 Prozent seit Anfang 2016). Darüber hinaus gingen von der globalen Gelpolitik keine neuen Impulse aus, die Notenbanken traten stattdessen leicht auf die Bremse. Vor allem hatte aber der Nachfragesog aus China nachgelassen, der 2017 die wichtigste Triebkraft für das kräftige Exportwachstum der Eurozone war.

So kam es, wie es kommen musste – die Exporte sind im 1. Quartal 2018 eingebrochen und mit ihnen das Wachstum der Eurozone, das sich nahezu halbiert hat (von +0,7 Prozent auf +0,4 Prozent im Quartalsvergleich). Unterdessen sind die Stimmungsindikatoren in einen steilen Abwärtstrend eingeschwenkt, der bis einschliesslich Juni anhielt.

Auch der Binnenmarkt ist betroffen

Wie geht es weiter? Neben der zyklischen Abschwächung haben zwischen Februar und April auch Sonderfaktoren (unter anderem: kaltes Wetter, hoher Krankenstand und Streiks) für Abwärtsdruck gesorgt. Mit deren Abebben sollte es um die Jahresmitte zu einer temporären Erholung kommen. Abgesehen von dieser technischen Gegenbewegung ist jedoch kein Ende der konjunkturellen Baisse in Sicht. Unsere Frühindikatoren geben jedenfalls bis Anfang 2019 keine Entwarnung. An den fundamentalen Rahmenbedingungen hat sich auch nichts geändert. Das weltwirtschaftliche Umfeld bleibt angeschlagen. Mit dem von Donald Trump angezettelten Handelskrieg ist sogar ein neuer Risikofaktor hinzugetreten. Die angedrohten Strafzölle auf Autos schweben wie ein Damoklesschwert über den Fahrzeugherstellern – allen voran in Deutschland. Daneben nehmen die negativen Signale aus China zu. Der »kontrollierte« Schuldenabbau bei den Staatsunternehmen und Kommunen droht dort aus dem Ruder zu laufen. Die Aktienmärkte befinden sich bereits im Sinkflug (‑25 Prozent seit dem zyklischen Hoch im Januar).

Vor dieser Kulisse wird sich das Expansionstempo der Eurozone in den nächsten Monaten weiter verlangsamen und in diesem Zuge erkennbar unter 2,0 Prozent fallen (ausgehend von knapp 3,0 Prozent Ende 2017). Der stark binnenwirtschaftlich orientierte Mittelstand ist zwar auf den ersten Blick von den aussenwirtschaftlichen Störfaktoren weniger stark betroffen. Jedoch übertragen sich in der Regel die negativen Impulse von dort schnell auf die Binnenwirtschaft. Darüber hinaus sollte die Inflation (entgegen dem konjunkturellen Trend) im Aufwind bleiben. Dies belastet die Kaufkraft der Konsumenten und damit auch die heimische Nachfrage.

Fazit

Der Mittelstand kann sich dem konjunkturellen Abwärtssog 2018 nicht entziehen.


Dr. Daniel Hartmann ist seit Ende 2017 Chefvolkswirt bei der Bantleon Bank AG, einem Spezialisten für insitutionelle Investments mit einem verwalteten Vermögen von knapp 9 Mrd. Euro. Er verantwortet den Bereich »Wirtschaftliche Entwicklung und Geldpolitik in der Eurozone, in Osteuropa und in der Schweiz«.

www.bantleon.com