Verbundenheit hin oder her – immer weniger Familiensprösslinge spüren eine moralische Verpflichtung, das Unternehmenserbe fortzuführen und es über die eigenen beruflichen Ziele zu stellen. Es geht vielmehr darum: Will ich es? Kann ich es? Und darf ich es auf meine Art?

Als Kinder der Multioptionsgesellschaft und Grenzlosigkeit, in materieller und akademischer Vielfalt aufgewachsen, streben die Junioren heute oftmals weniger nach Prestige und Status. Für sie steht vielmehr lebenslanges Lernen und eine selbstbestimmte Balance von Beruf und Freizeit mit einer sinnhaften Lebenserfüllung im Vordergrund. Diese Bedürfnisse müssen im Rahmen von Nachfolgen zwingend abgefragt werden.


Die zuweilen moralingesäuerte Verpflichtungsübernahme des Familienbetriebes als Singleoption und fest verankerter, häufig sogar lokal verpflichteter Unternehmer-Verantwortung kann zur Verleugnung persönlicher Erwartungen führen. Doch die Quittung dafür kommt über kurz oder lang bestimmt, und sie wird sich negativ auf den Erfolg als Unternehmer auswirken.

Fazit

Viele Familienunternehmen scheitern in der Nachfolge an der konfliktären Schnittstelle von Familie, Unternehmen und Führungskräften. Denn obwohl bereits im Vorfeld häufig klar ist, dass der Übergebende und der designierte Nachfolger, wenn auch verwandt, aus völlig unterschiedlichem Holz geschnitzt sind, wird ohne Rücksicht auf Verluste die Übergabe durchgezogen. Die Folge: böses Blut, Friktionen im Tagesgeschäft bis hin zu existenzbedrohenden Krisen. Betriebswirtschaftliche und gesellschaftsrechtliche Ansätze helfen hier wenig. Es gilt zunächst, die emotionalen und rationalen Entscheidungsinhalte des Seniors und des Juniors jenseits von Geschäftsmodell, GuV und Statuten aufzunehmen und klug zu berücksichtigen.


Zur Person

Gustl F. Thum ist Mitglied der Geschäftsleitung und seit 15 Jahren als Experte für Familienunternehmen bei der Dr. Wieselhuber & Partner GmbH tätig. Der Diplom-Kaufmann (LMU München/HSG St. Gallen) ist Mitglied in diversen Wirtschaftsvereinigungen, Lehrbeauftragter für Entrepreneurship sowie Autor und Referent zahlreicher Publikationen zu den zentralen Gestaltungsfeldern von Familienunternehmen.

www.wieselhuber.de