Atemholen vor der großen Einkaufstour

Viel Liquidität, viel Cash und damit auch viel Spielgeld für externes Wachstum durch Unternehmenskäufe/M&A ist derzeit sowohl bei deutschen Mittelständlern wie auch Finanzinvestoren vorhanden. Aber der Einkaufwagen ist derzeit noch halbleer: Die Ruhe vor dem Sturm?


„Bezahlt werden muss mit außergewöhnlich hohen Multiples.“

Prof. Dr. Christoph Schalast, Restsanwalt und M&A-Experte


Insgesamt wird dabei eines deutlich: Wer sich nicht im Vorfeld mit seinem Regulierer/Regulierern abstimmt, muss mit einer langen Hängepartie rechnen. Sei es ein Inhaberkontrollverfahren durch die BaFin (Hauck & Aufhäuser), ein Fusionskontrollverfahren, die Außenwirtschaftskontrolle durch das Bundeswirtschaftsministerium oder die Börsenaufsicht.

Vorbild DAX und MDAX?

Doch trotz dieser Kapriolen steht andererseits die Übernahmeofferte von Bayer für Monsanto weiter im Raum. Es wäre die größte jemals getätigte M&A Transaktion aus Deutschland. Man kann nur hoffen, dass die Lessons Learned aus Daimler/Chrysler vom Bayer-Team berücksichtigt werden. Eines ist aber auch interessant: Sobald in einer Branche erste Megatransaktionen angekündigt werden, entwickelt sich dies schnell zu einem Konsolidierungsschub. So wird derzeit bei Wettbewerbern, wie etwa BASF, schon nervös nachgefragt, was sie denn als Antwort in der Pipeline haben. Ähnliches ist gerade im Lebensmittelmarkt festzustellen nach der Ankündigung von Danone, ins Geschäft für vegane Lebensmittel einzusteigen. Danone plant die Übernahme des amerikanischen Pioniers in diesem Bereich, White Wave. Nichtsdestotrotz ist eine solche kleine Kettenreaktion noch kein Megatrend. Sicher ist nur, dass Themen wie Chemicals oder auch Food den Markt mitprägen.

Auch der große Mittelstand (MDAX) ist derzeit so aktiv wie selten zuvor. Ursache hierfür ist sowohl die hohe Liquidität im Markt wie die Verfügbarkeit von Fremdfinanzierungen. Doch bezahlt werden muss dies mit außergewöhnlich hohen Multiples, die sich bei strategischen Akquisitionen in den mittleren zweistelligen Bereich steigern können. Hier muss man sehr vorsichtig sein, denn die alte Regel gilt weiter: Der Gewinn des Kaufmanns liegt im (klugen, preiswerten) Einkauf.

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