Die zunehmenden Handelskonflikte fordern ihren Tribut. Während der letzten Monate hat sich die Wirtschaft merklich abgekühlt. Deutschland droht in eine Rezession abzugleiten.
Wie kann sich der Mittelstand darauf vorbereiten?

Es sind drastische Worte, die EZB-Chef Mario Draghi wählte, als er im Juli die kürzlich erfolgte Zinssenkung ankündigte: „Die Aussichten werden schlimmer und schlimmer. Besonders im Industriesektor und in den Ländern, die vom Industriesektor abhängig sind.“

Tatsächlich sank die Wirtschaftsleistung Deutschlands im zweiten Quartal 2019 um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der Rückgang ist primär auf eine Verschlechterung der Exportsituation zurückzuführen. Im Juni nahmen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahresmonat um acht Prozent ab. Daher verwundert es nicht, dass die Stimmung in der deutschen Wirtschaft schlecht ist. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im August auf den niedrigsten Stand seit November 2012.


Ökonomen rechnen mit Rezession

Hauptgrund für die getrübte Konjunktursituation sind die eskalierenden Handelskonflikte, die ein exportorientiertes Land wie die Bundesrepublik besonders hart treffen. Auch die anhaltende Unsicherheit um den Brexit ist Gift für die Wirtschaft. Verschlimmert wird die Situation durch die angespannte Lage im Nahen Osten, wo eine Zuspitzung der Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran eine Explosion der Erdölpreise verursachen könnte.

Führende Ökonomen rechnen mit einer Rezession. So prognostiziert das Kieler Institut für Weltwirtschaft für das dritte Quartal einen weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent. Leider sind wir für eine Krise schlecht gerüstet. Die Zinsen befinden sich bereits unter der Nulllinie. Folglich kommt eine Zinssenkung um mehrere Prozentpunkte, wie sie bei einem Konjunkturabschwung üblich ist, nicht infrage. Viele europäische Staaten kämpfen außerdem mit einer hohen Staatsverschuldung und haben wenig Mittel, um krisenbedingte Nachfrageausfälle durch gezielte Fiskalpolitik zu ersetzen. Für die deutschen Exporte verheißt dies nichts Gutes.

Schlecht gerüstet für Krise

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen, die zuletzt rückläufig war, wird wohl in naher Zukunft deutlich ansteigen. Dadurch gerät die Bankenbranche, die wegen der Tiefzinsen schon heute unter Ertragsschwäche leidet, unter Druck. Das Eigenkapitalpolster der Kreditinstitute ist nach wie vor dünn. Die Deutsche Bank hatte letzten Dezember beispielsweise eine ungewichtete Eigenkapitalquote (Leverage Ratio) von 4,1 Prozent – viel zu wenig, um größere Verluste aufzufangen. Kommt hinzu, dass die Geldhäuser die Risikovorsorge im Kreditgeschäft während der vergangenen Jahre vernachlässigten, wie der letztjährige Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank aufzeigte. Eine Zunahme der Insolvenzen wird deshalb rasch zu einer Verschärfung der Kreditvergabepraxis führen.

Unternehmen geraten dadurch in einen Teufelskreis. Krisenbedingt brechen die Erträge ein. Gleichzeitig verweigert die Hausbank neue Darlehen oder kürzt bestehende Kreditlinien. In einer solchen Situation reagieren mittelständische Unternehmen typischerweise mit der Verschiebung von Investitionen. Doch ein Investitionsverzicht verschlechtert ihre Wettbewerbsposition und schmälert die mittelfristigen Gewinnaussichten. In der Folge sinken ihre Kreditchancen weiter.

Günstige Kreditsituation nutzen

Wie kann der Mittelstand diesem Teufelskreis entgehen? Zunächst empfiehlt es sich, die aktuell noch gute Kreditlage auszunutzen. Trotz immer strengerer Bankenregulierung zeigen sich bisher keine Anzeichen einer Kreditverknappung. Bemerkenswert ist insbesondere, dass Unternehmenskredite noch nie so günstig waren wie heute. Laut dem Kreditindex von Barkow Consulting liegen die durchschnittlichen Kosten für einen Neukredit mit fünfjähriger Zinsbindung bei rund 1,3 Prozent. Es lohnt sich also, sich durch eine langfristige Zinsfestschreibung gegen einen künftigen Zinsanstieg zu wappnen.

Bei der Kreditaufnahme ist ein besonderes Augenmerk auf die geforderten Sicherheiten zu richten. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Banken vermehrt eine höhere Besicherung verlangen. Mussten vor zwei Jahren nur 43 Prozent der Unternehmen für mindestens ein Drittel der Betriebsmittelkredite Sicherheiten hinterlegen, waren es 2019 bereits 58 Prozent. Das Hinterlegen von Vermögenswerten als Sicherheit bedeutet für den Unternehmer eine erhebliche Einschränkung seiner Flexibilität. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist Flexibilität jedoch entscheidend. Darum sollten Mittelständler das Zeitfenster bis zum Ausbruch der Krise nutzen, um allenfalls bestehende Übersicherungen abzubauen.

Eigenkapitaldecke verstärken

Es wäre jedoch gefährlich, sich ausschließlich auf die Hausbank zu verlassen. In Krisensituationen verschlechtern die Banken ihre Kreditkonditionen oft kurzfristig und drastisch. Dementsprechend wichtig ist es, sein Finanzierungsportfolio auf verschiedene Anbieter und Instrumente zu verteilen.

Zu einer krisenresistenten Unternehmensfinanzierung gehört in erster Linie eine tragfähige Eigenkapitaldecke. Sie schafft einen Puffer gegen Verluste und verbessert die Chance, trotz Kreditrestriktionen weiterhin an Fremdkapital zu gelangen. Abgesehen vom Nennkapital und den einbehaltenen Gewinnen zählen zum wirtschaftlichen Eigenkapital auch Mezzanine-Finanzierungen wie Nachrangdarlehen, partiarische Darlehen und Genussrechte. Mezzanine-Kapital ist günstiger als echtes Eigenkapital und hat den Vorteil, dass die Kapitalgeber nicht zu Miteigentümern des von ihnen finanzierten Unternehmens werden. Dadurch bleibt die unternehmerische Unabhängigkeit erhalten. Das Finanzamt bewertet Mezzanine-Finanzierungen im Übrigen als Fremdkapital, weshalb die Zinskosten abzugsfähig sind.

Liquiditätsengpässe verhindern

Während einer Rezession sinkt der Umsatz meist rascher als die Kosten. Es drohen Liquiditätsengpässe. Asset-basierte Finanzierungsmethoden wie Factoring, Warenfinanzierung und Leasing helfen, den Liquiditätsverlauf zu glätten.

Eines der Hauptprobleme in Krisensituationen sind die verlängerten Forderungslaufzeiten und die zunehmenden Zahlungsausfälle. Schon heute müssen Lieferanten mehr als 43 Tage warten, bis ihre Kunden die Rechnung bezahlen. Factoring, der Verkauf offener Rechnungsforderungen, bietet mittelständischen Unternehmen eine Versicherung gegen eine weitere Verschlechterung der Zahlungsmoral – vor allem, wenn der Factoring-Anbieter das Delkredererisiko übernimmt.

Wie Factoring gleicht auch die Wareneinkaufsfinanzierung Liquiditätsengpässe aus. Der Finanzierer bezahlt die Rechnung für bestellte Waren gegenüber dem Lieferanten sofort. Dem Abnehmer gewährt er ein verlängertes Zahlungsziel von bis zu 120 Tagen. Dadurch ist es einem Unternehmen möglich, die Bezahlung von Waren so lange aufzuschieben, bis diese verkauft oder verarbeitet wurden. Neben dem Einkauf einzelner Güter lassen sich auch ganze Warenlager finanzieren. Nicht selten ist die Lagerfinanzierung durch einen bankenunabhängigen Finanzierungsanbieter günstiger als der Kontokorrentkredit bei einer Bank.

Einen weit größeren Liquiditätsabfluss als der Kauf von Rohstoffen und Vorprodukten verursacht der Erwerb von Anlagegütern wie Autos, Immobilien oder Maschinen. Deswegen tendieren Unternehmen in Krisensituationen dazu, teure Investitionen aufzuschieben. Um einen Investitionsstau zu vermeiden, setzen sie indes besser auf Leasing. Dadurch verteilen sie die Mittelabflüsse gleichmäßig auf einen längeren Zeitraum. Die Erträge, die das geleaste Objekt abwirft, tragen zur Deckung der Leasingkosten bei. Benötigt ein Unternehmen dringend Liquidität, hat es zudem die Möglichkeit, bestehende Anlagegüter zu verkaufen und sie anschließend zurückzuleasen (Sale-and-lease-back). Insbesondere bei Immobilien lassen sich auf diese Weise stille Reserven heben.

Krisenvorbereitung: Finanzierungsstruktur diversifizieren

Die Konjunkturaussichten werden, wie Draghi es ausdrückte, „schlimmer und schlimmer“. Zum ersten Mal seit sechs Jahren steht Deutschland wieder vor einer Rezession. Ob es sich bloß um eine vorübergehende Schwäche handelt oder ob uns eine schwere Krise droht, hängt primär von außenpolitischen Faktoren ab. Auf jeden Fall sollte sich der Mittelstand auf schwierigere Zeiten vorbereiten. Eine wichtige Maßnahme ist die Diversifikation der Finanzierungsstruktur. Wer sein Eigenkapitalpolster rechtzeitig ausbaut, verfügt im Krisenfall über größere Spielräume und kommt leichter an Kredite. Darüber hinaus hilft der Einsatz alternativer Finanzierungsmethoden wie Factoring, Wareneinkaufsfinanzierung oder Leasing, krisenbedingte Liquiditätsengpässe zu vermeiden.

Autor / Unternehmen:

Niklas Zolper ist verantwortlich für die Unternehmenskommunikation von Finanzierung.com. Die Finanzierungsplattform Finanzierung.com gehört zu Deutschlands wichtigsten Finanzierungsvermittlern für den Mittelstand. Durch eine Kombination aus digitaler Antragsstrecke und individueller Beratung kann Finanzierung.com Kunden maßgeschneiderte Finanzierungsangebote innerhalb weniger Tage vorstellen. Das in München ansässige Unternehmen vermittelt sowohl klassische Finanzierungen, wie Darlehen oder Kontokorrentkredite als auch moderne Unternehmensfinanzierungen, wie Factoring, Wareneinkaufsfinanzierungen oder Sale-and-lease-back im gesamten DACH-Raum. Darüber hinaus werden Investoren für Mezzanine- und Eigenkapital-Finanzierungen vermittelt.