Stillstand bei Standard – Individual ist „en vogue“ (Ausgabe 3/2009)

Ergebnisse des 3. Mezzanine-Panels

Das 3. Mezzanine-Panel von FHP (2009) offenbart den Kollaps bei kapitalmarktabhängigem Standard-Mezzanine – Individual Mezzanine ist dagegen weiter auf Wachstumskurs. Auf Basis einer empirischen Untersuchung unter 26 führenden Mezzanine-Anbietern (Programmen)…

Von Uwe Fleischhauer und Michael Olkowski, FHP Private Equity Consultants

Das 3. Mezzanine-Panel von FHP (2009) offenbart den Kollaps bei kapitalmarktabhängigem Standard-Mezzanine – Individual Mezzanine ist dagegen weiter auf Wachstumskurs. Auf Basis einer empirischen Untersuchung unter 26 führenden Mezzanine-Anbietern (Programmen) – nachfolgend „FHP Mezzanine-Panel“ genannt – wurde nach den Jahren 2006 und 2007 für das Jahr 2008 erneut der Markt für Mezzanine-Finanzierungen in Deutschland im Detail analysiert. Die Angebotsseite des Marktes wurde dabei sowohl in Richtung Programm-Mezzanine als auch individuelles Mezzanine untersucht.

Highlights – „Einbruch“ bei Standard
Der Markt für Standard-Mezzanine ist im Jahr 2008 völlig zum Erliegen gekommen, wie auch bereits im letztjährigen Mezzanine-Panel unsererseits prognostiziert. So war im Jahr 2008 keine einzige Verbriefung mehr für Standard-Mezzanine möglich, dementsprechend keine Unternehmensfinanzierungen. Die Gründe hierfür sind sicherlich vielfältiger Natur: Zum einen spürt Standard-Mezzanine sehr stark die Folgen der weltweiten Finanzkrise und die erschwerten Bedingungen bei der Verbriefung und Platzierungsfähigkeit von strukturierten Produkten, zum anderen haben auch verschiedene Insolvenzen von Mezzanine-finanzierten Unternehmen für verstärkte Unsicherheit unter den Kapitalgebern gesorgt. Parallel hat sich ein wachsendes (und flexibleres) Angebot für „individuelles Mezzanine“ etabliert, wodurch auch das Spektrum potenzieller Mezzanine-Nehmer erweitert wird. Das gesamte deutsche Marktvolumen lag mit knapp 1,8 Mrd. Euro im Jahr 2008 um 15% niedriger als im Vorjahr. Dabei wurde der Markt im Jahr 2008 ausschließlich durch individuelles Mezzanine bedient – Programm-Mezzanine ist „auf Null gefallen“.

Quo vadis Standard-Mezzanine?
So schnell der damalige Hype um standardisiertes Mezzanine entstanden war, der im Jahr 2006 mit sechs neuen Verbriefungen und einem Volumen von knapp 1,4 Mrd. Euro seinen Höhepunkt hatte, so schnell folgte dann auch der Absturz in den Folgejahren. Im Jahr 2007 konnten noch zwei Verbriefungen am Kapitalmarkt mit einem Volumen von ca. 600 Mio. Euro platziert werden, bevor im Jahr 2008 der Markt für standardisiertes Mezzanine-Kapital vollkommen zum Erliegen kam. Auch die für das Jahr 2008 avisierte Zusammenarbeit von HSBC Trinkaus und der Capital Efficiency Group (CEG) mit dem Ziel, ein gemeinsames neues Programm aufzulegen und am Kapitalmarkt zu platzieren, trug beispielsweise keine Früchte und verlief letztendlich ins Leere – so wie auch der Versuch des Finanzdienstleisters Conpair scheiterte, kurzfristig mit dem SME Growth Programm auf den Markt zu kommen. Alle Versuche, Standard-Mezzanine wieder zu beleben, sind vorerst fehlgeschlagen. Nicht wenige Finanzexperten meinen sogar, dass Standard-Mezzanine für immer vom Markt verschwunden sei. Dabei ist der Bedarf an langfristigen Finanzierungen beim Mittelstand nach wie vor anhaltend hoch: Investoren beschränken sich im Moment allerdings auf eher sichere Anlagen und gehen keine langfristigen Investitionen bzw. Verpflichtungen ein, insbesondere solange die konjunkturelle Weiterentwicklung von hoher Unsicherheit geprägt bleibt und nicht absehbar ist, wie stark der deutsche Mittelstand davon betroffen ist. Künftige Programme werden erst bei einer Entspannung des Kapitalmarkts wieder platzierbar sein und auch nur dann, wenn sie einen Interessenausgleich zwischen diesen beiden entgegen gesetzten Positionen schaffen.

„The winner is Individual Mezzanine“
Individual-Mezzanine ist dagegen nicht abhängig vom Kapitalmarkt und kann flexibel an die gegebene Finanzierungssituation des Kapitalnehmers angepasst werden. Insofern erfreuen sich individuelle Mezzanine-Produkte gerade in dieser überaus schwierigen Zeit größter Beliebtheit, was sich auch in einer anhaltenden starken Nachfrage niederschlägt. Nach einhelliger Meinung unserer Panelteilnehmer wird sich der positive Trend auch in Zukunft fortsetzen, was sich in einem steigendem Marktvolumen und -angebot für individuelle Mezzanine-Produktlösungen niederschlagen wird. Vor dem Hintergrund eines konstant bis eher steigenden Finanzierungsmittelbedarfs im Mittelstand und einer restriktiver werdenden Kreditmittelvergabe bei der klassischen Bankenfinanzierung wird die Bedeutung nach alternativen Finanzierungsquellen wie Mezzanine weiter zunehmen (müssen). Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Situation und den nicht verlässlichen Prognosen bezüglich Folgen und Ausmaß der Weltwirtschaftskrise auf den deutschen Mittelstand kann von einer Überwindung der Talsohle noch längst keine Rede sein. Diese Situation könnte zu einem verstärkten Finanzierungsbedarf führen, um bspw. drohende Sanierungsszenarien zu vermeiden. Für beide Fälle kann individuelles Mezzanine eine Alternative darstellen – mit einem weiteren Nachfrageschub für 2009 kann unseres Erachtens gerechnet werden. Mezzanine-interessierte Unternehmer können dabei unter einer Vielzahl von individuellen Finanzierungslösungen auswählen: Dabei reicht das Angebot von regional fokussierten MBGs über banken-/sparkasseneigene Mezzanine Programme bis hin zu unabhängigen Anbietern. Parallel wird sich die Marktbereinigung bei Standard-Mezzanine fortsetzen. So werden einzelne Häuser künftig statt „Standard“ eher „Individual“ anbieten.

Der Mezzanine-Markt 2008 im Detail – Rückgang beim Marktvolumen …

Sind nach dem „Mezzanine-Panel“ von 2007 noch etwa 2,1 Mrd. Euro an Mezzanine-Kapital in Deutschland ausgegeben worden, fiel das Volumen 2008 auf 1,8 Mrd. Euro. (Basis: Angaben von insgesamt 26 Panelteilnehmern, davon zwei Anbieter von Standardprogrammen und 24 Anbieter von Individual-Mezzanine). Das entspricht einem Rückgang um ca. 15% des Finanzierungsvolumens im Vergleich zu 2007. Dieser lässt sich vor allem aufgrund des Zusammenbruchs des Marktes für Standard-Programme erklären, welche 2007 noch zahlreiche Unternehmen (knapp 800) mit einem Finanzierungsvolumen von 1,7 Mrd. Euro an Mezzanine versorgt haben und 2008 auf „null“ gefallen sind. Die Anbieter von Individual-Mezzanine konnten diesen Rückgang teilweise, aber nicht ganz kompensieren. Hauptinvestor mit 1,2 Mrd. Euro ausgereichtem Mezzanine bleibt die KfW.

… aber mehr Unternehmen erhielten Mezzanine-Kapital
Im Jahr 2008 wurden seitens unserer Panelteilnehmer insgesamt 2.290 Unternehmen mit Mezzanine-Kapital finanziert – bei einem Finanzierungsvolumen von knapp 1,8 Mrd. Euro entspricht das in etwa einem durchschnittlichen Finanzierungsvolumen von knapp 0,8 Mio. Euro pro Unternehmen (Vorjahr 2,0 Mio. Euro). Im Vergleich zu 2007 ist somit – gegenläufig zum Volumen – die Anzahl der mit Mezzanine-Kapital finanzierten Unternehmen deutlich angestiegen. Sind noch ca. 1.200 Unternehmen im Jahr 2007 mit Mezzanine „versorgt“ worden, so sind es im Jahr 2008 fast 2.300 Unternehmen gewesen. Das entspricht in etwa einem Zuwachs von 1.100 Unternehmen bzw. plus 90% auf Basis der Anzahl der mit Mezzanine-Kapital finanzierten Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr. Es ist allerdings ersichtlich, dass das durchschnittliche Finanzierungsvolumen pro Unternehmen von 2 Mio. Euro im Jahr 2007 auf 0,8 Mio. Euro 2008 gesunken ist. Hier können mehr denn je mögliche Vorsichtsbekundungen seitens der Kapitalgeber hinsichtlich der Ausfallrisiken in die eigenen Vergabeüberlegungen von Mezzanine einfließen und ein Grund für die, in der Vergangenheit oftmals falsch bewerteten, Risiken bei Standard-Programmen darstellen. Der Trend geht zu kleineren Tranchen: Ein deutliches Zeichen für mehr Risikoaversion und Selektion bei der Mezzanine-Mittelvergabe sowie für die individuellere, somit auch „kleinere“ Vergabe von Mezzanine-Tranchen.

Individuelles Mezzanine vs. Programm-Mezzanine

Beim letzten Mezzanine-Panel war das Verhältnis Standard-Mezzanine zu Individual-Mezzanine (bei einem Investitionsvolumen von ca. 2,1 Mrd Euro) knapp 4:1. Bei der Anzahl der durch diese Kapitalform finanzierten Unternehmen lag die Verteilung 2007 mit etwa 800 zu ca. 400 Unternehmen ebenfalls schwerpunktmäßig auf standardisierten Mezzanine-Programmen. Ein völlig konträres Bild zeigt die Situation der Mezzanine-Finanzierung im Jahr 2008 auf. Für Mezzanine-interessierte Unternehmen existiert somit aber auch keine Alternative (bzw. auch keine Benchmark) mehr bezüglich der Wahl: Für den Kapital suchenden Unternehmer bleibt gegenwärtig „nur“ der Weg der individuellen Mezzanine-Aufnahme.

Tranchen-Durchschnitt unter 1 Mio. Euro
Lag der Tranchendurchschnitt bei der Ausgabe von Mezzanine-Kapital im Jahr 2007 noch bei ca. 2 Mio. Euro, sind es im Jahr 2008 „nur“ noch 0,8 Mio. Euro pro finanziertes Unternehmen. Das liegt mitunter daran, dass die ausgereichten Tranchen beim Programm-Mezzanine in der Vergangenheit durchschnittlich höher waren als die Tranchen bei individuellen Angeboten. Durch den Wegfall des Programm-Mezzanine sank auch das durchschnittlich ausgereichte Mezzanine-Kapital signifikant. Die Bandbreiten variieren bei individuellen Finanzierungen zum Teil erheblich und fangen bei Mikro-Tranchen in Höhe von 10.000 Euro an bis hin zu 100 Mio. Euro in Extremfällen. Bei den Standard-Programm-Anbietern wurden in der Vergangenheit Mezzanine-Tranchen erst ab 1 Mio. Euro ausgegeben, was den Finanzierungsbedürfnissen der KMUs oftmals zuwiderläuft, weil diese in der Regel kleinere „Finanzspritzen“ in Form von individuellen Mezzanine-Angeboten, insbesondere durch MBGs, favorisieren. Mehrheitlich bewegen sich bei den meisten Anbietern die Unter- und Obergrenzen für Mezzanine-Kapital zwischen 50.000 bzw. 10 Mio. Euro.

Finanzierungsanlass – Wachstumsfinanzierungen am meisten gefragt
Im Rahmen des „Mezzanine-Panels“ wurde nach konkreten Finanzierungsanlässen seitens der Kapitalgeber für die Bereitstellung von Mezzanine gefragt. Demnach wird der größte Teil an Mezzanine-Kapital – mit zunehmender Bedeutung im Vergleich zum Vorjahr (40% – zum Vergleich: 2007 waren es 31%) – für Wachstumsfinanzierungen ausgegeben. Aufgrund der fehlenden Buyout-Finanzierungen wird Mezzanine aktuell zunehmend als sogenannte „sponsorless“-Finanzierung genutzt, d.h. als alleinstehende Wachstumsfinanzierung. An zweiter Stelle folgen MBO/LBOs mit 16%, wo Mezzanine zunehmend einen größeren Rahmen einnimmt, dicht gefolgt von Nachfolgefinanzierungen an dritter Stelle mit 12%. Besonders LBOs stellen den traditionellen Anwendungsbereich von Mezzanine-Kapital dar, der sich bis in die jüngste Gegenwart größter Beliebtheit erfreut hat. Maßgeblicher Grund für den Einsatz von Mezzanine bei Buyouts ist die Suche nach dem „günstigsten“ Finanzierungsmix von Eigen-, Fremd- und Mezzanine-Kapital, um eine „ideale“ Strukturierung und einen optimalen Leverage für eine bevorstehende Transaktion zu ermöglichen. Nachfolgefinanzierungen sind insbesondere bei KMU mit einem hohen Kapitalbedarf verbunden, weil der Altgesellschafter aus dem Unternehmen ausscheiden möchte und dessen Kapitalanteil ausgezahlt werden muss. Hier kann Mezzanine-Kapital zum Rückkauf eigener Anteile aufgewendet werden. Auch Finanzierungsanlässe durch Restrukturierung gehören mit einer Quote von 10% zu den bedeutenden Finanzierungsanlässen. Innerhalb von Restrukturierungen kann mit Hilfe von Mezzanine eine verbesserte Bilanzstruktur und infolgedessen ein verbessertes Bilanzrating erreicht werden, was sich wiederum positiv auf den Kreditrahmen des Unternehmens ausübt. Nicht zu den favorisierten typischen Finanzierungsanlässen gehören laut Panelteilnehmer die Finanzierung in Frühphasen eines Unternehmens mit 9%, sonstige Finanzierungsanlässe mit 9% und Innovationsfinanzierungen mit 4% aller Finanzierungsanlässe an. Hier werden Mezzanine-Finanzierungen nur sehr limitiert genutzt.

Finanzierungsinstrumente: Vor allem Stille Beteiligungen
Stille Beteiligungen sind als Form der Mezzanine-Finanzierung das in Deutschland mit Abstand beliebteste und am häufigsten angewendete Finanzierungsinstrument in knapp einem Drittel aller Fälle, gefolgt von Nachrangdarlehen (24%) und Genussrechten bzw. Gesellschafterdarlehen, die sich mit 14% Platz 3 teilen. Bei den Standard-Programmen wird das Mezzanine-Kapital größtenteils über Genussscheine und Nachrangdarlehen mittels Verbriefungstechnik zu einem Portfolio gepoolt und mit Hilfe einer Fondsstruktur am Kapitalmarkt platziert. Die Refinanzierung erfolgt ebenfalls über den Kapitalmarkt. Somit besteht auch für kleinere mittelständische Unternehmen die Möglichkeit, durch diese Finanzierungstechnik indirekt von den Vorteilen des Kapitalmarktes zu profitieren – zumindest theoretisch. Bei individuellen Lösungen wird ebenfalls die Stille Beteiligung präferiert. Auch die Vielfalt der genutzten Finanzierungsinstrumente ist bei Individual-Mezzanine wesentlich höher. Auffallend ist der signifikante Anstieg des eigenkapitalersetzenden Gesellschafterdarlehens von 3% im Jahr 2007 auf 14% 2008. Hybridanleihen verzeichnen im Vergleich zu 2007 dagegen eine geringe Abschwächung (von 17% 2007 auf 11% 2008).

Rating als Voraussetzungskriterium für die Aufnahme von Mezzanine-Kapital
Für die Vergabe von Mezzanine verlangt die Mehrheit der Kapitalgeber ein Rating. Dabei war es in der Vergangenheit so, dass insbesondere Standard-Anbieter ein Rating als zwingendes Entscheidungskriterium vorausgesetzt haben. Auch Individual-Anbieter fühlten sich zunehmend dazu verpflichtet, „präventiv“ durch den Einsatz von Ratings mögliche Risiken besser einschätzen zu können. Demnach machten 61% aller Individual-Anbieter die Vergabe von Mezzanine von einem Rating abhängig (31% nur im Jahr 2007). Der deutliche Anstieg beim Einsatz von Ratings um fast das Doppelte bei den Anbietern von Individual-Mezzanine untermauert die zunehmende Risikosensibilität in diesem Marktsegment. Es hat den Anschein, dass Kapitalgeber vorsichtiger und mit mehr Vernunft bei der Vergabe von Mezzanine-Kapital handeln, um nicht dieselben Fehler einer mangelnden Risikoeinschätzung durch zu vorsichtige Risikoaufschläge – wie teilweise bei Standard-Mezzanine geschehen – zu begehen. Dabei wird die meiste Anzahl von durchzuführenden Ratings intern von den Kapitalgebern selbst durchgeführt. Die Anforderungen an das Rating sind gleichzeitig gestiegen, da neben quantitativen auch vermehrt qualitative Merkmale in den Ratingprozess miteinbezogen werden und ein standardisierter „Scan“ im Eiltempo heutzutage oftmals nicht mehr ausreicht. Vor allem individuelle Anbieter führen neben einem Rating noch zusätzlich intensive Due Diligence-Prozesse durch. Neben dem Rating als zentrales Vergabekriterium machen Kapitalgeber ferner die Einhaltung bestimmter Umsatzgrenzen bzw. einen gewissen Mindestumsatz beim Zielunternehmen zur Bedingung. Dabei hat ca. ein Fünftel unserer Panelteilnehmer die Vergabe von Mezzanine-Kapital nicht an bestimmte Mindestumsatzgrößen gekoppelt, was eher die Ausnahme als die Regel darstellt. Sie legen ihr Augenmerk verstärkt auf qualitative Faktoren bei der Bewertung einer Mezzanine-Finanzierung. Die Bandbreiten des jährlichen Mindestumsatzes beginnen bei Individual-Anbietern bei 0,5 Mio. Euro und reichen bei einem Kapitalgeber bis 500 Mio. Euro – der Durchschnitt liegt bei 35 Mio. Euro. Bei Standard-Programm-Anbietern schwanken die Bandbreiten zw. 10 und 20 Mio. Euro – durchschnittlich 15 Mio. Euro. Diese Voraussetzungskriterien dienen potenziellen Kapitalnehmern dazu, eine erste Orientierungshilfe bei der zukünftigen Aufnahme von Mezzanine-Kapital zu sein. Auch der Einsatz einer am Erfolg des Unternehmens bemessenen Verzinsung ist aus Sicht der Kapitalgeber für Individual-Mezzanine üblich. 61% aller Anbieter im Rahmen von individuellen Mezzanine-Produkten begebenen Kapitals favorisieren den Einsatz sog. Equity-Kicker. Diese räumen dem Investor die Möglichkeit ein, über Options- oder Wandlungsrechte direkt am Unternehmenserfolg zu partizipieren. Bei Standard-Programmen wird grundsätzlich auf vordefinierte Konditionen zurückgegriffen, die eine erfolgsabhängige Verzinsung durch den Einsatz von Equity-Kickern i. d. R. nicht vorsehen.

Aktuelle Mezzanine-Kosten zwischen 5 und 18%
Eine wichtige Frage vieler Unternehmer, die sich derzeit mit der Thematik Mezzanine auseinandersetzen und dieses zukünftig als Finanzierungsalternative nutzen möchten, liegt in den zu veranschlagenden Kosten: „Was kostet mich die Aufnahme von Mezzanine insgesamt“? Hier kommt der Zins-Bandbreite eine gewichtige Rolle zu. Finanzierungsangebote differieren oft in ihren effektiven Verzinsungen und vertraglichen Komponenten wie Zinsfälligkeit, Gewinnbeteiligung, Finanzierungsfolgekosten etc. und sollten von daher vom Kapitalnehmer sehr gut abgewogen werden, damit dieser aus seiner persönlichen Sicht das für ihn lukrativste Finanzierungsangebot wählt. In der Regel liegen die laufenden Zinsen bei individuellen Angeboten zwischen 5 und 18%, bei Standard-Programmen waren die laufenden Zinsen zwischen 5 und 10% einzuordnen. Vorsicht ist außerdem bei evtl. Zusatzkosten wie dem Abzug eines Disagios, Kosten für die Durchführung von einer einmaligen oder jährlich wiederkehrenden Due Diligence oder eines wiederkehrenden Ratings geboten, denn diese werden nicht unmittelbar in den effektiven Zinsen mit einkalkuliert. Die momentane Marktsituation sollte aufgrund günstiger Leitzinsen von derzeit 1,25% (EZB-Leitzins Stand April 09) zu besseren Konditionen führen – de facto wird aber aufgrund der hohen Risikoaversion im Markt der „günstige“ Leitzins nicht an die Kapitalnehmer weitergegeben. Tendenziell führen schwerwiegende Ausfälle – wie in der Vergangenheit bei Standard-Programmen zu sehen war – zu einer risikoadäquaten Anpassung der Zinsstruktur und somit höheren Mezzanine-Kosten für die Kapital suchenden Unternehmen.

Inside Mezzanine – Die Meinung der Panelteilnehmer
Eine allgemeingültige Aussage über die Zukunft des Mezzanine-Marktes ist vor dem Hintergrund der angespannten und prekären Lage auf den internationalen Kapitalmärkten nur schwierig zu prognostizieren. Dennoch kristallisieren sich einige Tendenzen heraus, wohin die Reise für Mezzanine-Kapital in naher Zukunft gehen wird. So sind sich alle Panelteilnehmer durchweg darüber einig, dass der langfristige Finanzierungsbedarf bei mittelständischen Unternehmen auch vor dem Hintergrund einer ohnehin traditionell schwachen EK-Position im Mittelstand grundsätzlich gegeben ist und tendenziell ansteigen wird. Das beinhaltet sowohl die Nachfrage nach konventionellen langfristigen Bankkrediten als auch nach modernen eigenkapitalähnlichen bzw. eigenkapitalersetzenden Finanzierungsinstrumenten. Nach Angaben unserer Panelteilnehmer wird einstimmig davon ausgegangen, dass in den nächsten Jahren mit einer erhöhten Nachfrage für kapitalmarktunabhängiges Individual-Mezzanine zu rechnen sein wird. Diese Ansicht wird auch seitens der Panel-Ergebnisse verifiziert. Der Zusammenbruch des Marktes für Standard-Mezzanine belegt dies eindrucksvoll. Als Folge der Finanzkrise war im Jahr 2008 keine einzige Verbriefung mehr möglich. Dieser Prozess wird nach Meinung einiger Panelteilnehmer solange andauern, bis die weltweite Rezession und die unsichere konjunkturelle Entwicklung anhalten und die verschlechterte Marktstimmung weiterhin für Zurückhaltung und Restriktionen auf Investorenseite sorgen wird. Hat sich die Lage auf den Kapitalmärkten wieder beruhigt, sind Investoren auch zunehmend wieder bereit, längerfristige und risikofreudigere Engagements einzugehen, was durchaus positive Auswirkungen für Standard-Mezzanine haben könnte. Sollte es zu einer Wiederbelebung der Verbriefungsmärkte kommen, wird es aller Voraussicht nach zu einer Konsolidierungswelle sowie einer engeren Zusammenarbeit unter den Banken selbst kommen, was zu einer zunehmenden Angleichung der einzelnen Programme führen wird. Die Kooperation von HSBC und CEG im Jahr 2008 im Bereich Standard-Mezzanine sind nur erste Vorboten von möglich auferlegten Partnerprogrammen in der Zukunft. Das Angebotsspektrum wird sich insgesamt verkleinern, die Programme und die Zahl der finanzierten Unternehmen größer, die Risiken werden weiter diversifiziert, und es gäbe eine größere Vergleichbarkeit für die Investoren sowie mehr Transparenz für die Unternehmen. Das schließt nicht aus, dass sich einige Anbieter vom Mezzanine-Markt komplett zurückziehen werden, weil Banken den Interessenkonflikt zwischen Kreditrisiko („Warehousing“-Phase) einerseits und verbindlicher Zusage an den Kapitalnehmer andererseits nicht mehr in ihren eigenen Büchern stehen haben wollen. Nach wie vor ist man unter den Panelteilnehmern geteilter Meinung, was die Zukunftsfähigkeit von Standard-Mezzanine angeht. Einige Marktteilnehmer erwarten, dass Standard-Mezzanine endgültig vom Markt verschwindet, andere sehen in der Krise vielmehr die Chance, neue (verbesserte) Produkte zu strukturieren.

Optimistischer Blick in die Zukunft
Trotz der anhaltenden Wirtschaftskrise ist die Stimmung aus Sicht der Kapitalgeber verhalten optimistisch. Auf die Frage „Sehen Sie in Anbetracht der aktuellen Wirtschaftskrise Veränderungen auf den Mezzanine-Markt zukommen?“ antworteten fast 85% mit „Ja“. Gefragt wurde nach dem Ausmaß der Veränderungen mit der Bitte um eine persönliche Einschätzung des zukünftigen Trends hinsichtlich des Mezzanine-Volumens, der mit Mezzanine zu erzielenden Renditen, Kundenakquise und der allgemeinen Akzeptanz und Situierung der Finanzierungsform. Dabei gaben die Panelteilnehmer für die aus ihrer Sicht mit Mezzanine zu erzielenden Renditen in der Zukunft durchweg gute bis sehr gute Perspektiven an. Auch die allgemeine Akzeptanz und Situierung der Finanzierungsform wird größtenteils positiv beurteilt. Lediglich beim Mezzanine-Volumen waren die Panelteilnehmer geteilter Meinung: Hier prophezeien einige Marktteilnehmer eine Abschwächung – die anderen rechnen mit einer Zunahme und guten Aussichten hinsichtlich der Marktvolumenstruktur von Mezzanine allgemein. Der Trend nach verstärkter Kundenakquise für diese Kapitalform wurde als neutral bewertet. Generell können aufgrund der erschwerten Refinanzierungssituation am Markt zu zahlende Risikoaufschläge an den Kapitalnehmer von Mezzanine derzeit auch nicht ausgeschlossen werden. Eine selektivere Auswahl von zu finanzierenden Unternehmen mit einer stärkeren Gewichtung von wirtschaftlichem Eigenkapital wird ebenso erwartet.

Fazit:
Mezzanine wird aufgrund des erschwerten Zugangs zu Krediten von den mittelständischen Unternehmen mehr denn je als willkommene Finanzierungsalternative angenommen. Dabei ist das Angebot an Mezzanine limitierter geworden, weil 2008 keine einzige Verbriefung mehr zustande gekommen und der Markt für Standard-Mezzanine komplett eingebrochen ist. Das wird auch durch den Rückgang des Marktvolumens von 2,1 Mrd. Euro im Jahr 2007 auf ca. 1,8 Mrd. Euro 2008 verifiziert. Dennoch spielt Mezzanine weiterhin eine wichtige Rolle. Das macht der signifikante Anstieg des Mezzanine-Volumens von individuellen Produktlösungen deutlich. Auch zukünftig wird sich die Nachfrage nach flexiblen kundenindividuellen Mezzanine-Lösungen verstärken – so die Meinung aller Panelteilnehmer. Probleme kommen auf Firmen zu, die sich vor der Finanzkrise mit „Standard-Mezzanine“ finanziert haben. Einige Jahre wurde Standard-Mezzanine seitens der Banken u. a. in großem Umfang angeboten, verbrieft und an Investoren weitergereicht. Wenn diese Mezzanine-Programme nun in den nächsten Jahren auslaufen und viele Unternehmen Anschlussfinanzierungen brauchen, könnte es einen weiteren „Run“ auf Individual-Mezzanine geben. Denn ein mögliches Wiederaufleben bei den Standard-Programmen – wenn sich die allgemeine Marktsituation ein wenig entspannt hat – bleibt abzuwarten. Der Bedarf an Kapital ist bei den mittelständischen Unternehmen zweifelsohne gegeben. Nach einer Unternehmensbefragung der KfW aus dem Jahr 2008 planen 6 bzw. 7% aller Unternehmen den Umgang mit Mezzanine-Finanzierungsformen als Mittel zur Erhöhung der Eigenkapitalquote ein. Ein immer noch relativ geringer Anteil, wenn man bedenkt, dass es zunehmend als geeignetes Finanzierungsinstrument für den Mittelstand angesehen wird. Der Nachholbedarf ist weiterhin hoch.

Zu den Personen: Uwe Fleischhauer und Michael Olkowski
Uwe Fleischhauer (fleischhauer@fhpe.de) ist Managing Partner, Michael Olkowski (E-Mail-Adresse?) Research Analyst beim Beratungsunternehmen Fleischhauer, Hoyer & Partner (FHP) Private Equity Consultants. www.fhpe.de

Autorenprofil

Uwe Fleischhauer (fleischhauer@fhpe.de) ist Managing Partner, Michael Olkowski (E-Mail-Adresse?) Research Analyst beim Beratungsunternehmen Fleischhauer, Hoyer & Partner (FHP) Private Equity Consultants. www.fhpe.de

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