Private Equity: Beteiligungskapital für viele Zwecke (Ausgabe 3/2007)

Marktwachstum gebremst – Stellenwert bleibt dennoch großPrivate Equity als Kapitalbeschaffungsmöglichkeit für Unternehmen hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Trotz der gegenwärtig gestiegenen Risikosensibilität, ausgehend von der US-Hypothekenkreditkrise, wird Beteiligungskapital ein wichtiges Mittel zur Unternehmensfinanzierung bleiben.
Private Equity als Kapitalbeschaffungsmöglichkeit für Unternehmen hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Trotz der gegenwärtig gestiegenen Risikosensibilität, ausgehend von der US-Hypothekenkreditkrise, wird Beteiligungskapital ein wichtiges Mittel zur Unternehmensfinanzierung bleiben. Die Wachstumsraten – und Renditen für die Investoren – werden aber wohl etwas niedriger ausfallen als in den letzten Jahren.

Klassisches Private Equity im Mittelpunkt
Private Equity ist – im Gegensatz zu „Public“ Equity – Beteiligungskapital an nicht börsennotierten Unternehmen. Darunter fallen im weiteren Sinne Beteiligungen an Unternehmen in allen Lebensphasen, von der Existenzgründung bis zum „ausgewachsenen“, etablierten Mittelständler: also Venture Capital und Buyouts. In dieser Ausgabe steht das klassische Private Equity im engeren Sinn (also ohne Venture Capital) im Fokus. Dieses macht dem Volumen nach den weitaus größten Teil des Beteiligungsmarktes aus (in Deutschland 2006 ca. 72%). Hierbei wird im Wesentlichen zwischen den Varianten Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligung unterschieden. Oberstes Ziel von Private Equity-Gesellschaften ist die konsequent ertragsorientierte Weiterentwicklung und Wertsteigerung des Unternehmens. Dazu wird in der Regel ein Fonds gegründet, der Finanzmittel von institutionellen Investoren (Pensionsfonds, Banken, Versicherungen) sowie vermögenden Privatpersonen einsammelt. Bevor er in ein Unternehmen „einsteigt“, prüft er dieses gründlich (Due Diligence): Geschäftsmodell, Produktpalette, Marktstellung, Wachstums- und Ertragsperspektiven sowie Kompetenz und Kooperationsbereitschaft des Managements. Neben den harten Fakten ist es enorm wichtig, dass zwischen der Private Equity-Gesellschaft und der Unternehmensführung auch Vertrauen aufgebaut wird, dass sozusagen die „Chemie stimmt“, und dass die Private Equity-Manager mit ihrem Know-how gut zum Unternehmen passen.

Unterschiedliche Zwecke von Buyouts
Eine Private Equity-Beteiligung kann aus mehreren Anlässen sinnvoll sein und unterschiedlich gestaltet werden:

  • Wachstumsfinanzierung: Erhöhter Kapitalbedarf für künftiges Wachstum (intern z. B. durch Investitionen in neue Anlagen, aber auch extern durch Firmenzukäufe)

  • Nachfolgeregelung/Gesellschafterwechsel: Mittelständische (Familien-)Unternehmen ohne geregelte Nachfolge sichern Kontinuität des Unternehmens bzw. schichten Gesellschaftsanteile um

  • Management Buyout (MBO): Das bisherige Management beteiligt sich am Unternehmen

  • Management Buy-in (MBI): Externe Manager beteiligen sich am Unternehmen und übernehmen die Geschäftsleitung

  • Spin-off: Konzerne veräußern Unternehmensteile (um sich z. B. auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren)

  • Vorbereitung auf einen Börsengang: Eigenkapitalbedarf im Vorfeld eines geplanten IPOs (Initial Public Offering)


Renditestarke Firmen mit hohem Potenzial

Voraussetzung für eine Private Equity-Beteiligung ist in der Regel, dass das Unternehmen ein hohes Wachstumspotenzial mitbringt und bereits eine gewisse Ertragsstärke bzw. -kontinuität unter Beweis stellen konnte. Manche Private Equity-Fonds steigen aber – siehe z. B. die Fallstudie zu Märklin auf S. 34-35 – auch bei Unternehmen ein, die sich in einer Krise befinden und eventuell restrukturiert werden müssen (Turnaround). Meist übernimmt die Private Equity-Gesellschaft die Mehrheit am Unternehmen, die bisherigen Eigentümer oder das Management eine Minderheit. In manchen Fällen engagieren sich auch mehrere Private Equity-Gesellschaften im Zuge der Übernahme eines Unternehmens, um die Risiken auf mehrere Schultern zu verteilen.

Auf das Unternehmen zugeschnitten
Die Finanzierung setzt sich aus dem Eigenkapital des Private Equity-Fonds sowie zusätzlich aufgenommenem Fremd- oder auch Mezzaninekapital zusammen – meist ungefähr im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel. Sie sollte auf die speziellen Bedürfnisse des Unternehmens (den Anlass der Finanzierung, die Cashflow-Prognosen etc.) zugeschnitten sein. Der Kapitaldienst für die Fremdmittel wird aus dem Cashflow des übernommenen Unternehmens geleistet (plus endfälliger Tilgungsanteil aus dem Verkaufserlös). Außerdem sollte nicht nur über die Geschäftsstrategie, sondern auch über mögliche Zeitpunkte und Arten des Ausstiegs (Exit) der Private Equity-Gesellschaft im Vorfeld gesprochen werden, um die Basis dafür zu legen, dass alle Beteiligten später an einem Strang ziehen.

Zwei bis sieben Jahre bis zum Exit
In der Regel liegt die Dauer der Investition des Finanzinvestors bei etwa zwei bis sieben Jahren. Die Private Equity-Gesellschaft erhofft sich einen möglichst hohen Verkaufserlös. Einschließlich des Verkaufsgewinns liegen die Renditeerwartungen insgesamt meist bei ca. 15 bis 25% p. a. – je nach Risiko des Engagements. Die wichtigsten Exit-Möglichkeiten sind der Verkauf an einen anderen Finanzinvestor (Secondary Buyout) oder an einen strategischen Käufer (z. B. ein Wettbewerber oder ein großer Konzern), der Verkauf an das Management bzw. die Altgesellschafter oder der Gang an die Börse. Typische Merkmale einer Private Equity-Beteiligung sind somit die Zuführung von Eigenkapital ins Unternehmen, mehr oder weniger ausgeprägte Mitspracherechte des Finanzinvestors, der wiederum auch Know-how und sein Netzwerk mit einbringt. Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Private Equity-Managern ist Vertrauensbildung.

Mehr Offenheit gegenüber Private Equity-Investoren
Private Equity wurde in Deutschland lange als zweischneidiges Schwert betrachtet. Einerseits bringen die Investoren Geld ins Unternehmen, und das auch noch in Form des vielfach gewünschten und – insbesondere im kleineren Mittelstand – oft auch dringend benötigten Eigenkapitals. Auf der anderen Seite besteht – auch hier insbesondere bei mittelständischen Familienunternehmen – häufig die Scheu, sich fremde Investoren ins Haus zu holen und diesen mehr oder weniger weit gehende Entscheidungsrechte einzuräumen. Die Zurückhaltung gegenüber Private Equity weicht aber seit Jahren einer allmählich zunehmenden Offenheit. Das Image hat sich gebessert.

Neubewertung der Risiken
Die Private Equity-Branche hat in Deutschland und Europa zwei Wachstumsschübe erlebt. Den ersten in der zweiten Hälfte der 90er Jahre, der durch das Ende der Euphorie am Neuen Markt und dem Platzen der Börsenblase sein Ende fand; den zweiten in den Jahren seit 2004, nachdem der Schock der Baisse verdaut war und Liquidität und Zuversicht wieder zunahmen. Die als Reaktion auf die US-Hypothekenkrise gestiegene Angst vor Risiken hat diesen Boom nun gebremst, denn die Chancen auf eine günstige Fremdfinanzierung sind gesunken. Dies betrifft allerdings nicht nur Private Equity-Investoren. Zudem werden wohl auch die Renditeerwartungen am Beteiligungsmarkt etwas gesenkt werden müssen.

Deutscher Mittelstand ist gefragt
Private Equity ist aber als wichtiger Bestandteil der Unternehmensfinanzierung nicht mehr wegzudenken. Seine Bedeutung ist während des Umbruchs in der deutschen Finanzierungslandschaft in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Auch haben Private Equity-Gesellschaften zunehmend den deutschen Mittelstand mit seinem Know-how und seinem Potenzial als Beteiligungsmarkt erkannt. Sie gelten als Hauptantreiber des jüngsten M&A-Booms, insbesondere durch die in höherem Maße kreditfinanzierten Leveraged Buyouts.

Buyout-Volumen seit 1996 verzehnfacht
In Europa summierten sich die Buyout-Investitionen im Jahr 2006 auf rund 39 Mrd. Euro. In Deutschland waren es nach Zahlen des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) gut 2,6 Mrd. Euro – seit 1996 haben sie sich mehr als verzehnfacht. Während wenige große Deals das Gesamtvolumen dominieren, sind bei der Anzahl der Transaktionen mittelständische Firmen maßgeblich: 89,5% der Unternehmen hatten weniger als 250 Mio. Euro Umsatz. Bei vier von fünf Transaktionen lag die Investitionssumme laut BVK unter 15 Mio. Euro. Marktstudien zeigen, dass die weit überwiegende Mehrheit der deutschen Unternehmen in der Vergangenheit zufrieden mit ihren Private Equity-Investoren gewesen ist. Sie erzielten im Durchschnitt höhere Wachstumsraten bei Umsatz und Arbeitsplätzen als die Gesamtwirtschaft. Dennoch gibt es natürlich auch unter den Private Equity-finanzierten Unternehmen Beispiele für eine negative Entwicklung.

Typischer Ablauf eines Buyouts
Das Unternehmen wendet sich entweder an seine Hausbank oder schaltet eine Investmentbank bzw. eine M&A-Boutique ein. Der Kreis möglicher Private Equity-Gesellschaften kann zunächst nach den Kriterien Branchenfokus und Höhe der Beteiligungssumme eingegrenzt werden. Denn viele Anbieter haben sich auf bestimmte Branchen und Investitionsgrößenordnungen spezialisiert. Manche gehen auch Minderheitsbeteiligungen ein, die meisten bevorzugen aber Mehrheitsanteile. Zudem sind einige Private Equity-Anbieter regional organisiert. Der Verkäufer kann sich dann direkt an einige in Frage kommende Finanzinvestoren wenden, oder der Intermediär leitet ein Auktionsverfahren ein. Dabei erstellt dieser einen Prospekt mit ersten wichtigen Informationen zum Unternehmen und zur gewünschten Finanzierung und stellt diesen geeigneten Investoren zur Verfügung. Diese wiederum können im Rücklauf ihr Angebot (finanziell und geschäftsstrategisch) einreichen. Im weiteren Verlauf finden Gespräche statt, bis eine enge Vorauswahl getroffen ist. Der oder die verbliebenen Interessenten führen eine gründliche Prüfung des Unternehmens durch und erhalten vom Management dazu detailliertere Zahlen/Fakten (Due Diligence). Der Zeitaufwand zwischen dem ersten Kontakt und dem Vertragsabschluss liegt meist zwischen zwei und sechs Monaten. Die wichtigsten Entscheidungskriterien der Unternehmen bei der Wahl einer Private Equity-Gesellschaft sind Vertrauen, der individuelle Zuschnitt der Finanzierung, Branchen- und Beratungskompetenz sowie Entscheidungsgeschwindigkeit des Investors und die Höhe der Bewertung (Kaufpreis).

Vor- und Nachteile von Private Equity aus Unternehmersicht
Vorteile:

  • Private Equity-Gesellschaft bringt Know-how plus ihr Netzwerk (Kontakte) ein

  • Hohe Finanzierungssummen möglich (dadurch mehr Wachstumschancen, auch über Akquisitionen)

  • Lösung der Nachfolgethematik

Nachteile:

  • Unternehmer ist nicht mehr allein „Herr im Haus“

  • Zins und Tilgung eines Teils des Kaufpreises wird dem Unternehmen auferlegt

  • Informationspflichten gegenüber Investoren

Fazit:
Trotz des gegenwärtigen Vertrauensschwunds an den Kapitalmärkten infolge der US-Hypothekenkrise bleibt Private Equity ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensfinanzierung. Kleine bis mittlere Transaktionen dürften ohnehin weniger von der Krise berührt werden als große, stark kreditfinanzierte Deals. Ertragsstarke Mittelständler sind – auch angesichts prall gefüllter Kassen vieler Private Equity-Fonds – weiterhin in einer guten Verhandlungsposition.

Bernd Frank
redaktion@unternehmeredition.de

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