Den Anschluss nicht verpassen

Immer mehr Länder in Europa setzen mit staatlichen Förderungen auf die Mitarbeiterbeteiligung. Eine Strategie, bei der es richtig umgesetzt nur Gewinner geben kann. Für Unternehmen ist sie ein nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor für die Zukunft, Arbeitnehmer finden eine attraktive Möglichkeit, Vermögen aufzubauen. Höchste Zeit, auch in Deutschland die Weichen neu zu stellen.

Die Politik ist gefordert

In Deutschland gilt das vor sieben Jahren eingeführte Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetz (MKBG). Nachdem der Freibetrag unter Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück 2004 sogar von 154 Euro auf 135 Euro pro Jahr gesenkt wurde, brachte dieses Gesetz wieder eine großzügigere Förderung: Es ermöglicht die steuer- und sozialabgabenfreie Überlassung von Unternehmensanteilen an Mitarbeiter bis zu einer Höhe von jährlich 360 Euro. Auch Kapitalbeteiligung im Zuge einer Entgeltumwandlung ist seitdem möglich und wird durch Steuerfreiheit – nicht aber durch die Befreiung von der Sozialversicherung – gefördert. Hinzu kommt innerhalb der Einkommensgrenzen die Arbeitnehmer-Sparzulage. Länder wie Großbritannien und Österreich, wo der steuer- und abgabenfreie Betrag vor Kurzem auf 3.000 Euro angehoben wurde, tun allerdings schon jetzt deutlich mehr. Es ist kein Wunder, dass der AGP nun die Anhebung des Freibetrags in Deutschland auf 1.200 Euro fordert. Am besten wäre es, wenn die Regierungschefin den Anstoß geben würde. „Was wir jetzt brauchen, ist ein klares Statement von Frau Merkel oder einem ihrer neuen Minister“, sagt Beyer.


„In Zukunft dürften die private Altersvorsorge sowie die Vermögensbildung wieder stärker ins Blickfeld rücken, und die Mitarbeiterkapitalbeteiligung kann ein wichtiges Instrument sein.“

Dr. Philipp Steinberg


 

Reformen sind nicht vom Tisch

Dr. Philipp Steinberg
Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Die Bundeskanzlerin hat sich in der zurückliegenden Legislaturperiode mit Meinungsäußerungen zu diesem Thema zurückgehalten. Das könnte sich ändern. Darauf lassen zumindest die Antworten auf die „Wahlprüfsteine“ schließen, die der AGP den politischen Parteien vor der Bundestagswahl vorgelegt. Für CDU/CSU ist demnach die Mitarbeiterbeteiligung ein zentrales Anliegen. Die FDP will sie auch durch eine Erhöhung des Steuerfreibetrags vorantreiben. Hört man sich in den Ministerien um, so lässt das ebenfalls auf Reformen hoffen. „Bei einer Überprüfung der finanziellen Rahmenbedingungen könnte neben einer pauschalen Anhebung von Förderbeträgen auch eine stärkere Integration in die Altersvorsorge eine wichtige Rolle spielen“, sagt Dr. Philipp Steinberg, Leiter der Abteilung I – Wirtschaftspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Mitnahmeeffekte müssten da dann aber möglichst vermieden werden.

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