Zur Mühlen übernimmt Schwarz Cranz

© zur Muehlen Gruppe

Die zum Tönnies-Konzern gehörende zur Mühlen Gruppe aus Böklund übernimmt den traditionsreichen Wurstproduzenten Schwarz Cranz mit Sitz in Neu Wulmstorf bei Hamburg. „Das Unternehmen ist aufgrund des schwierigen Marktumfeldes und des stetig gestiegenen Kostendrucks in eine wirtschaftliche Schieflage geraten“, sagte Maximilian Tönnies, Geschäftsführer der zur Mühlen Gruppe. „Es ist eine Herkulesaufgabe das Unternehmen zukunftssicher zu machen, doch aufgrund der Traditionsmarke Schwarz Cranz und ihren Qualitätsprodukten gehen wir diese Aufgabe optimistisch an.“

Übernahme sämtlicher Mitarbeiter

Schwarz Cranz hatte zuletzt mit deutlichen Kostensteigerungen zu kämpfen, die nicht an die Kunden weitergegeben werden konnten. Hinzu kam die Corona-Pandemie, die zu finanziellem Mehraufwand durch höhere Sicherheits- und Kontrollmaßnahmen führte. Vor diesem Hintergrund hatte das Unternehmen im September eine Sanierung in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Torstedt erwirkt. Der Sanierungsexperte Jan Ockelmann von der Hamburger Kanzlei SGP Schneider Geiwitz Nord begleitete das Verfahren als Generalbevollmächtigter an der Seite der Geschäftsführung und des vorläufigen Sachwalters. Am 19. Oktober konnte im Zuge eines Verfahrenswechsels das Insolvenzverfahren bereits eröffnet werden. Schon nach weniger als drei Wochen einigten sich die zur Mühlen Gruppe und der Insolvenzverwalter, Sanierungsexperte Friedrich von Kaltenborn-Stachau von der Hamburger Kanzlei BRL Boege Rohde Luebbehuesen, auf eine Übernahme der Gesellschaft mit ihren rund 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der Vertrag mit dem Insolvenzverwalter wurde am 5. November 2020 geschlossen. Die Übernahme steht unter Vorbehalt der Zustimmung durch die Kartellbehörde.

Einstiges Wachstumsunternehmen

Schwarz Cranz gehörte noch vor einigen Jahren selbst zu den schnell wachsenden Unternehmen im Fleisch- und Wurstmarkt. Zum Sortiment gehören vor allem Bacon, Roh- und Brühwurstprodukte, Pökelware und Kochwurst. Unter Geschäftsführerin Kristin Schwarz hatte man den Umsatz binnen weniger Jahre von 40 auf 100 Millionen Euro gesteigert und die Mitarbeiterzahl mehr als verdoppelt. Zu besten Zeiten kam das Unternehmen auf 130 Millionen Euro Umsatz. Kristin Schwarz wurde 2013 als Familienunternehmerin des Jahres ausgezeichnet. Die Anfänge des Unternehmens reichen bis 1852 zurück. Alles begann mit einer Landschlachterei.

Autorenprofil

Als Redaktionsleitung der Unternehmeredition berichtet Eva Rathgeber regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Wirtschaftsjournalismus und PR.

Vorheriger ArtikelLoys AG: „Unterbeliebtheit, Unterinvestiertheit, Unterbewertung – genau das mögen wir“
Nächster ArtikelBundesregierung verlängert KfW-Sonderprogramm