Wirecard wird weiter zerschlagen

Eine weitere Tochtergesellschaft der Wirecard AG ist veräußert. Insolvenzverwalter Jaffé vermeldete den Verkauf der indonesischen PT Prima Vista Solusi.
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Eine weitere Tochtergesellschaft der insolventen Wirecard AG ist veräußert. Insolvenzverwalter Michael Jaffé vermeldete nun den Verkauf der indonesischen Gesellschaft PT Prima Vista Solusi. Die Firma hat 670 Mitarbeiter und war eine der größten Tochterunternehmen. PT Prima Vista Solusi bietet End-to-End Zahlungsdienste an. Käufer ist eine indonesische Unternehmensgruppe. Der Verkauf steht noch unter den üblichen Vollzugsbedingungen wie der Zustimmung der indonesischen Bankenaufsicht. Weiterhin wurde durch Jaffé das Closing für zwei weitere Verkäufe von Wirecard-Tochtergesellschaften in Hongkong und Malaysia an den niederländischen Fin-Tech-Investor Finch Capital bekanntgegeben.

Bisher rund 600 Mio. EUR erlöst

„Mit dem Verkauf der PT Prima Vista Solusi in Indonesien sowie dem Vollzug der Verkäufe von Tochtergesellschaften in Hong Kong und Malaysia haben wir die Verwertung von Beteiligungsgesellschaften weitgehend abgeschlossen. Insgesamt konnten wir dabei bestmögliche Lösungen für Mitarbeiter und Gläubiger erreichen und im Zuge der Verwertung bislang rund 2.800 Arbeitsplätze erhalten“, erklärt Insolvenzverwalter Jaffé. Nach Expertenschätzungen wurden durch die Verkäufe rund 600 Mio. EUR erlöst. In der Pressemitteilung werden „substanzielle Rückflüsse“ für die deutsche Insolvenzmasse genannt. Damit dürfte aber nur ein Bruchteil der Insolvenzforderungen zu decken sein. Allein auf 1,9 Mrd. EUR beläuft sich die Höhe eines Scheinkontos – Gläubiger haben mittlerweile Forderungen von mehr als 12 Mrd. EUR gestellt.

Wirecard, ein früheres DAX-Unternehmen, hat im Juni 2020 einen Insolvenzantrag gestellt. Seitdem läuft das Insolvenzverfahren und mit ihm auch umfangreiche Untersuchungen wegen unsauberer Geschäftspraktiken des Zahlungsdienstleisters. Der frühere Vorstandschef Markus Braun sitzt wegen des Verdachts auf Betrug in Untersuchungshaft. Jan Marsalek, früherer Vertriebsvorstand ist auf der Flucht. Dr. jur. Michael Jaffé zählt zu den renommiertesten Insolvenzverwaltern Deutschlands. Zu seinen bekanntesten Insolvenzverfahren zählen der Medienkonzern KirchMedia des verstorbenen Dr. Leo Kirch, der vormals weltweit tätige Speicherchip-Hersteller Qimonda sowie die deutschen Tochtergesellschaften der Petroplus-Gruppe. Aktuell ist er auch Insolvenzverwalter von drei deutschen P&R Container-Verwaltungsgesellschaften.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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