Frank Hüther wurde bei der konstituierenden Vorstandssitzung des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zum neuen Vorstandssprecher des BVK gewählt. Er übernimmt das Amt von Dr. Regina Hodits und Dr. Christian Stoffel, die beide turnusmäßig aus dem BVK-Vorstand ausscheiden. Hüther ist seit 2019 Vorstandsmitglied des BVK und Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Abacus Alpha aus Frankenthal. INTERVIEW MATHIAS RENZ

Unternehmeredition: Sie wurden gerade zum BVK-Vorstandsvorsitzenden gewählt. Was sind Ihre Pläne mit dem Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften in den nächsten Jahren?
Hüther: Das Potential von Beteiligungskapital in Deutschland ist groß und gerade bei den Rahmenbedingungen und der Frage des öffentlichen Verständnisses sehen wir noch viel Luft nach oben. Hier gilt es einerseits ein förderliches Umfeld mitzugestalten, aber andererseits auch Einschnitte zu verhindern. Wir wollen weiter Verständnis dafür wecken, dass Beteiligungskapital Wachstumsmotor, Innovationstreiber und Stabilitätsanker ist, egal ob als Venture Capital oder im Mittelstand. Als Gesprächspartner auf Augenhöhe mit der Politik werden wir bei allen relevanten Gesetzesvorhaben und Initiativen frühzeitig eingebunden. Diesen Weg werden wir weiter beschreiten und uns für die Belange der gesamten Branche stark machen!

Welches sind Ihre aktuellen Forderungen an die politischen Entscheidungsträger?
Zunächst möchte ich festhalten, dass die getroffenen Maßnahmen der Bundesregierung eine starke Antwort auf die wohl einmalige Krisensituation war, ausgelöst durch die Corona Pandemie und den damit einhergehenden Lockdown. Aktuell stehen wir natürlich im engen Austausch mit der Politik und unseren Mitgliedern rund um diese Corona-Maßnahmen für Startups und mittelständischen Unternehmen, etwa die Corona Matching Fazilität oder die weiteren KfW-Hilfsprogramme. Nun gilt es aber die Weichen auf Wachstum zu stellen, um gestärkt aus dieser Krisensituation herauszukommen. Notwendige politische Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen dürfen nicht auf die lange Bank geschoben werden. Der von uns seit langem geforderte und von der Politik angekündigte Zukunftsfonds muss jetzt auch konkret umgesetzt werden. Beim Außenwirtschaftsgesetz haben wir uns gegen die verschärften Investitionsbeschränkungen positioniert. Bei der Umsatzsteuer auf Management Fee und der Steuertransparenz der Fonds kämpfen wir seit vielen Jahren für eine zufriedenstellende und international wettbewerbsfähige Lösung. Die Ankündigung der Bundesregierung, die Mitarbeiterbeteiligung zu stärken, begrüßen wir ausdrücklich und sind auf konkrete Umsetzungspläne gespannt.

Welche sind aktuell die größten durch Corona verursachten Beeinträchtigungen für die Beteiligungsindustrie?
Wir befinden uns wirtschaftlich und gesellschaftlich in einer einmaligen Situation und unsere Branche ist auf mehreren Ebenen betroffen. Die Beteiligungsgesellschaften mussten sich krisenbedingt vor allem um die bestehenden Portfoliounternehmen kümmern und viele Neuinvestitionen wurden deshalb zurückgestellt. Unternehmensbewertungen als Grundlage jeder Kauf- und Verkaufsentscheidung sind aufgrund der Rückgänge im laufenden Geschäft und der unsicheren Aussichten schwerer geworden. Aus dem gleichen Grund sind auch Exits betroffen. Zudem dürften institutionelle Investoren zurückhaltender bei Private Equity-Fondsinvestments werden.

Sie vertreten mit dem BVK sowohl Frühphaseninvestoren als auch Buyout-Fonds, deren Interessen nicht immer identisch sind. Wie bekommen Sie alle unter einen Hut?
Viele unserer Themen werden durch die politische Agenda vorgegeben. Im BVK-Vorstand sind deshalb Vertreter aller Mitgliedergruppen vertreten, um die Belange der einzelnen Marktsegmente zu berücksichtigen. Und wir stehen natürlich im engen Austausch mit unseren Mitgliedern. So ist es dem BVK in der Vergangenheit, bei aller Vielfalt der Themen, sehr gut gelungen, diese im Sinne der gesamten Branche voranzutreiben.

Mit dem Investor Abacus alpha, dessen Geschäfte Sie leiten, verfolgen Sie den Ansatz „Buy and hold – Unternehmen langfristig und nachhaltig fortzuführen“. Würden Sie sich diesen Ansatz auch verstärkt von der gesamten Beteiligungsindustrie wünschen?
Neben dem „Buy and hold“- verfolgt das Unternehmen auch einen „Buy and build“-Ansatz und will gemeinsame Stärken für Wachstum und Ausbau der Marktposition seiner Portfoliounternehmen nutzen. Man muss berücksichtigen, dass Abacus alpha mit ihrem Evergreen-Charakter und dem ebenfalls sehr langfristig orientierten, traditionsreichen Gesellschafter über besondere Voraussetzungen verfügt, die nicht ohne Weiteres übertragbar sind. Bei aller Vielfalt der Geschäftsmodelle sind die meisten Beteiligungsgesellschaften tendenziell eher langfristig orientierte Partner. Sie alle setzen auf nachhaltiges Wachstum. Durchschnittlich werden Beteiligungen länger als fünf Jahre gehalten. Der Exit gehört für die meisten fest zum Geschäftsmodell, für Akteure wie uns ist er eher die Ausnahme. Hier sind in der Branche unterschiedliche Strategien zu finden, und ich finde, diese Vielfalt macht Beteiligungskapital wiederum so interessant für Unternehmen.

Herr Hüther, wir danken für das Gespräch!