Faurecia und Hella fusionieren zum Weltmarktführer

Faurecia, ein weltweit führendes Unternehmen für Automobiltechnologie, hat ein öffentliches Übernahmeangebot für alle Hella-Aktien unterbreitet.
Foto: Faurecia

Faurecia, ein weltweit führendes Unternehmen für Automobiltechnologie, hat ein öffentliches Übernahmeangebot in Form eines Barangebots für alle Hella-Aktien zu einem Preis von 60 EUR je Aktie unterbreitet. Das entspräche einer Gegenleistung von 60,96 € inklusive einer Dividende von 0,96 €, die voraussichtlich von der Hella-Hauptversammlung am 30. September 2021 beschlossen und von Hella vor Vollzug der Transaktion an alle Aktionäre ausgeschüttet werde, wie das Unternehmen jetzt mitteilte. In Aussicht stehe der Erwerb des 60-prozentigen Anteils der Hella-Poolaktionäre zum Preis von 60 EUR je Aktie, bestehend aus einer Barzahlung von 3,4 Mrd. EUR sowie der Ausgabe von bis zu 13.571.428 neuen Faurecia-Aktien2 (auf Basis eines Referenzkurses von 42,06 EUR3 je Faurecia-Aktie).

Im Rahmen der Transaktion werden die Poolaktionäre Anteilseigner von Faurecia mit einem Anteil von bis zu 9% des Grundkapitals. Diese Beteiligung unterliege einer Sperrfrist von 18 Monaten. Ein Vertreter der Familie werde Mitglied des Verwaltungsrats von Faurecia, womit die Familie ihre starke Verbundenheit mit dem zusammengeführten Unternehmen zum Ausdruck bringe.

Investition in schnell wachsende Segmente mit führenden Positionen

Mit dem Zusammenschluss untermauert Faurecia seine Ambition, die strategische Transformation des Unternehmens zu beschleunigen. Sie ziele darauf ab, in schnell wachsende Segmente mit führenden Positionen zu investieren. Der Transaktion liegt eine Unternehmensbewertung von etwa 6,7 Mrd. EUR für 100% an Hella zugrunde. Sie sei einstimmig durch den Verwaltungsrat von Faurecia genehmigt worden. Die Geschäftsführung von Hella unterstütze die Transaktion.

Das zusammengeführte Unternehmen werde sich auf vier Wachstumsfelder konzentrieren, die sich klar an den Megatrends der Automobilindustrie orientieren: Elektromobilität (inkl. Wasserstofflösungen), ADAS (innovative Fahrerassistenzsysteme) und autonomes Fahren, Cockpit der Zukunft, Lifecycle Value Management.

Mit Zusammenschluss entsteht global siebtgrößter Automobilzulieferer

Das gemeinsame Unternehmen werde ein bedeutender Akteur in den Bereichen Elektronik und Software mit einem Umsatz von 3,7 Mrd. EUR und rund 3.000 Softwareingenieuren. Es werde in allen Geschäftsbereichen eine kritische Größe erreichen und führende Positionen einnehmen. Das neue Unternehmen werde global der siebtgrößte Automobilzulieferer sein (Top 5 in Europa und jeweils Top 10 in Amerika und Asien) und das Profil mit Blick auf Geschäftsaktivitäten und Kundenzugang, erheblich stärken.

Patrick Koller, CEO von Faurecia, kommentierte: „Dieser Zusammenschluss ist eine einzigartige Gelegenheit, einen globalen Marktführer für Automobiltechnologie zu schaffen. Ich bin davon überzeugt, dass Faurecia und Hella ausgezeichnet zusammenpassen. Wir teilen dieselbe Vision und haben ein gemeinsames Verständnis von Werten und Kultur. Seit Ende 2018 arbeiten unsere hochqualifizierten Teams sehr effizient zusammen und haben bereits gezeigt, zu welchen Leistungen sie gemeinsam fähig sind. Gemeinsam werden wir einen entscheidenden Vorsprung haben, wenn es darum geht, von den strategischen Treibern der Transformation der Automobilindustrie zu profitieren. Durch die Verbindung unserer Produktportfolios und Kundenzugänge werden wir unser profitables Wachstum durch Innovation Elektronik und Software-Komponenten sowie noch bessere Qualität in der Ausführung beschleunigen. Das Finanzierungsprofil von Faurecia bleibt solide. Wir werden weiter ein großes Augenmerk auf die Generierung nachhaltiger Cashflows und die Entschuldung des Unternehmens legen. Ich bin zuversichtlich, dass dieser Zusammenschluss nachhaltigen Wert für Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre von Faurecia und Hella schafft.“

Familiengesellschaftern geht es um bessere strategische Positionierung

Dr. Jürgen Behrend, Leiter des Pools der Familiengesellschafter, erklärte: „Wir nehmen als Familiengesellschafter unsere unternehmerische Verantwortung für Hella wahr, indem wir frühzeitig vor Auslaufen unseres Familienpoolvertrags das Unternehmen Hella in neue Hände geben und damit seine strategische Positionierung weiter verbessern – zum Wohl von Hella und ihrer 36.000 Mitarbeiter. Gleichzeitig wird die Familie als Anteilseigner bei Faurecia die Entwicklung dieses führenden europäischen Unternehmens weiter begleiten. Mit Faurecia als neuem Mehrheitseigner wird Hella ihre Stärken noch effektiver ausspielen können. Die Kompetenzen beider Unternehmen ergänzen sich hervorragend. Wir haben langjährige Zusagen für die Standorte und Investitionen in die Zukunftsfelder sichergestellt. Hella hat damit die idealen Voraussetzungen, weiterhin langfristig erfolgreich zu sein.“

Dr. Rolf Breidenbach, CEO von Hella, sagte: „Faurecia und Hella passen sehr gut zusammen. Das gilt insbesondere mit Blick auf Produktspektrum und Marktabdeckung. Zudem legen beide Partner hohen Wert auf konsequente Kundenorientierung, operative Exzellenz und Technologieführerschaft. Von daher ist es naheliegend, dass wir unsere Kräfte bündeln, um die Zukunft der Mobilität in vorderster Reihe gemeinsam voranzutreiben. Mit Faurecia an unserer Seite werden wir diesbezüglich noch mehr Möglichkeiten haben als bisher.“

Die Fremdkapitalfinanzierung der Transaktion sei vollständig durch eine von namhaften Banken bereitgestellte Brückenfazilität gewährleistet, hieß es in der Pressemitteilung. Die Bestätigung der aktuellen Kreditratings von Faurecia durch alle drei Ratingagenturen werde in Kürze erwartet.

Autorenprofil

Als Redaktionsleitung der Unternehmeredition berichtet Eva Rathgeber regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Wirtschaftsjournalismus und PR.

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