DBAG-Portfolio leidet unter Dauerkrise

Firmensitz der DBAG in Frankfurt am Main
Bild: DBAG

Die Bewertung des Portfolios der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) leidet unter den andauernden Krisen. Corona ist noch nicht ganz überstanden, hinzu kommt der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Unsicherheiten. Auch die Erwartung von Zinserhöhungen führten insgesamt zu niedrigeren Bewertungen am Kapitalmarkt – insbesondere im Sektor IT-Services und Software. In ihrem Halbjahresfinanzbericht erklärt die DBAG, dass diese Kapital­markt­ent­wick­lung den Netto­vermögens­wert der Private-Equity-Investments stark belastet habe. Der Wert sei um 5% gesunken.

Niedrigere Buchwerte, aber Dividende unverändert

Das börsennotierte Private Equity-Haus kommt praktisch vom Regen in die Traufe. Zuerst hatten die Portfolios aus dem industriellen Sektor mit Coronabeschränkungen und Lieferkettenproblemen zu kämpfen. Nun sorgt ein globaler Abwärtstrend bei IT- und Software-Titeln – eigentlich eine begehrte Zukunftsbranche – für eine Belastung der Buchwerte. Im aktuellen Bericht hebt die DBAG allerdings ausdrücklich hervor, dass trotz Preissteigerungen für Energie und Rohstoffe sowie gestörten Lieferketten die 36 Portfoliounternehmen aus ihrer operativen Entwicklung insgesamt einen positiven Wertbeitrag geliefert hätten. Dieser könne die negativen Kapitalmarkteinflüsse jedoch bei Weitem nicht ausgleichen. Das Unternehmen schließt das erste Halbjahr 2021/2022 daher mit einem Konzernergebnis von -35,8 Mio. EUR ab. Auch für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand in seiner Prognose inzwischen mit einem negativen Wert beim Konzernergebnis für das gesamte Geschäftsjahr zwischen -15 und -25 Mio. EUR. Die gute Nachricht für die Aktionäre: An der Höhe der Dividende von 1,60 EUR pro Aktie will die DBAG nach der aktuellen Ankündigung weiter festhalten. Für das zweite Halbjahr rechnet das Unternehmen mit weiteren Exits. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen gäbe es „gute Möglichkeiten“.

Portfolio weiter diversifiziert

Torsten Grede, DBAG
Torsten Grede, Foto: DBAG

Seit Beginn des laufenden Geschäftsjahres im Oktober 2021 wurde das Portfolio um vier Management-Buy-outs ergänzt, darunter zwei Unternehmen aus dem Sektor IT-Services und Software. Der Anteil solcher Beteiligungen hat sich nach DBAG-Angaben in den vergangenen beiden Jahren von 5 auf 19% des Portfoliowertes nahezu vervierfacht. „Es zahlt sich aus, dass wir vor zehn Jahren eine Diversifizierung des Portfolios eingeleitet haben. Unser Portfolio ist inzwischen noch besser ausbalanciert – das stimmt uns trotz der anspruchsvollen Rahmen­bedingungen zuversichtlich für die kommenden Monate“, so Torsten Grede, Sprecher des Vorstands, mit Blick auf die Beteiligungen aus IT-Services und Software sowie Breitband-Tele­kommunikation und Healthcare.

Investment in Metalworks Holding

Tom Alzin, Foto: DBAG

Eine weitere Firmenübernahme in Italien gab die DBAG gestern bekannt. Sie investiert in die MTW Holding SpA („Metalworks“), eine Gruppe italienischer Hersteller von Accessoires aus Metall und Plastik für die Luxusgüter-Industrie. In einem Management-Buy-out (MBO) wird die Mehrheit der Anteile an Metalworks übernommen. Das Managementteam sowie die vormaligen Eigentümer und Gründer des Unternehmens werden sich ebenfalls engagieren. Der Vollzug des Kaufvertrags ist für das zweite Quartal vorgesehen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Zu der Gruppe gehören die Unternehmen Metalworks, Mengoni & Nassini und FGF, die für Luxusmodemarken hochwertige modische Accessoires produzieren. An den Standorten in der Nähe von Bergamo und Florenz sind 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, der Jahresumsatz lag 2021 bis rund 60 Mio. EUR. „Die Gruppe hat eine etablierte Position in einem widerstandsfähigen Markt, der stärker wächst als das Sozialprodukt. Wir wollen dazu beitragen, dass das Managementteam die Buy-and-build-Strategie fortsetzen und so die geographische Präsenz des Unternehmens erweitern kann“ , so Tom Alzin, Mitglied des DBAG-Vorstands.

DBAG-Aktie steigt leicht

Der Kurs der DBAG-Aktie an der Frankfurter Börse (WKN: A1TNUT/ISIN: DE000A1TNUT7) bewegte sich nach den aktuellen Nachrichten leicht nach oben  und liegt nun bei 28,40 EUR. Die Marktkapitalisierung beträgt 534,06 Mio. EUR. Die DBAG initiiert geschlossene Private-Equity-Fonds und investiert – überwiegend an der Seite der DBAG-Fonds – in mittelständische Unternehmen. Ein Schwerpunkt ist seit vielen Jahren die Industrie. Ein zunehmender Anteil der Eigenkapitalbeteiligungen entfällt auf Unternehmen in den Wachstumssektoren Breitbandtelekommunikation, IT-Services/Software und Healthcare. Das vom DBAG-Konzern verwaltete oder beratene Vermögen beträgt 2,5 Mrd. EUR.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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