Eigenverwaltung in Rekordzeit

99 Tage – so wenig Zeit lag zwischen Stellung des Insolvenzantrags und einstimmiger Zustimmung der Gläubiger zum Insolvenzplan der FTI-Group aus Brandenburg. Eine gute Vorbereitung, Insolvenzplanerfahrung des Teams und die frühe Einbindung eines Investors waren Schlüsselfaktoren für ein kurzes und erfolgreiches Sanierungsverfahren. 

Eröffnetes Verfahren

Das Insolvenzverfahren wurde bereits am 1. November eröffnet, die Eigenverwaltung angeordnet und Dr. Blersch zum Sachwalter bestellt. Im eröffneten Verfahren profitierte FTI zunehmend von den frühzeitig eingeleiteten organisatorischen Maßnahmen, der zügigen Auszahlung des Insolvenzgelds nach Antragstellung sowie der offenen Kommunikation zum Gläubigerausschuss, zu Mitarbeitern, Großkunden und Lieferanten. Die Kompetenz der Eigenverwaltung und aller Beteiligten hat zu einer raschen Stabilisierung des Unternehmens beigetragen.

Wesentlicher Schlüssel für die positive Entwicklung und straffe Zeitachse war die enge Zusammenarbeit zwischen Eigenverwaltung, Sachwalter, Gläubigerausschuss und Gericht – aber auch die zügigen Fortschritte im M&A-Prozess. Der Investorenprozess konnte bereits nach zehn Wochen mit der Protokollierung des Kaufvertrags am 6. Dezember abgeschlossen werden. Die Eckelmann AG übernahm – als finaler Investor – die Mehrheit der Geschäftsanteile an der FTI-Group.

Beendigung des Verfahrens

Vor diesem Hintergrund konnte der Termin zur ersten Gläubigerversammlung, Forderungsprüfung sowie Erörterung und Abstimmung über den Plan bereits am 20.12. angesetzt werden. Aufgrund der professionellen Vorbereitung des Plans und Gestaltung der Eigenverwaltung haben die Gläubiger dem Plan einstimmig zugestimmt. Das Insolvenzverfahren wurde Anfang Februar 2014 aufgehoben. MPI und der CRO konnten sich wieder zurückziehen.

Neben dem reorganisierten Unternehmen und dessen Mitarbeitern profitieren insgesamt die Gläubiger von einer attraktiven und zügigen Befriedigung, ebenso wie die Großkunden, die mit FTI wieder einen belastbaren, zukunftsfähigen Geschäftspartner haben. Der Altgesellschafter hält heute eine qualifizierte Minderheit des Stammkapitals und führt gemeinsam mit einem zweiten, vom Investor bestellten Geschäftsführer das maßgeblich entschuldete Unternehmen fort. Er nutzt damit auch persönlich seine „zweite Chance“ als Unternehmer, nachdem er im Zuge einer verhandelten Komplettlösung von den Banken aus seinen persönlichen Bürgschaften entlassen wurde.

Fazit

Der Vorteil des bei FTI angewandten Restrukturierungsansatzes liegt in der Bündelung von Sanierungskompetenz und M&A-Erfahrung „aus einer Hand“. Er nutzt das Planverfahren in Verbindung mit der Eigenverwaltung nach § 270a InsO, Kompetenz und Verantwortung des CRO und notwendiger M&A-Fähigkeiten des insolvenzplanerfahrenen Beraters. Damit liefert er zumeist bessere und schnellere Ergebnisse als ein zähes Hauen und Stechen der Beteiligten um Partikularinteressen. Vor allem bezieht er den Unternehmer und Investor als wichtige Stakeholder frühzeitig mit ein. So entsteht eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.


Zu den Personen

Lessing ReinhardtDr. Jan Lessing  (l., lessing@mpi-gmbh.com) ist Principal und Peter Reinhardt (reinhardt@mpi-gmbh.com) ist Managing Partner der MPI Management Partner & Investor GmbH. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Restrukturierung, Insolvenzplanverfahren sowie Distressed-M&A-Transaktionen. www. mpi-unternehmensberatung.de

Autorenprofil

Dr. Jan Lessing (lesing@mpi-gmbh.com) ist Principal und Peter Reinhardt (reinhardt@mpi-gmbh.com) ist Managing Partner der MPI Management Partner & Investor GmbH. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Restrukturierung, Insolvenzplanverfahren sowie Distressed-M&A-Transaktionen.

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