Studie: Private Equity „wirkt“

Interview mit Frank Hüther, Sprecher des Vorstands des BVK

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Wenn ein privater Investor in ein Unternehmen einsteigt, dann steigert das in den folgenden drei Jahren den Umsatz, die Beschäftigtenzahl und die Investitionstätigkeit. Auf dieses kurze Fazit lässt sich die neue Studie „Beteiligungskapital im Mittelstand – Analyse der Entwicklung beteiligungsfinanzierter Unternehmen“ des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zusammenfassen.

Nun könnte man meinen, dass es nicht weiter verwunderlich ist, wenn ein Lobbyverband via Studie die eigenen Branchenaktivitäten lobt. Frank Hüther, Sprecher des Vorstands des BVK, ist es aber im Gespräch mit der Unternehmeredition wichtig zu versichern: „Wir hätten die Studie auch veröffentlicht, wenn die Zahlen nicht so positiv ausgefallen wären“. Die Ergebnisse spiegelten nicht nur seine persönlichen Erfahrungen aus der Vergangenheit bei Investments in mittelständische Firmen wider. „Diese Zahlen haben uns nicht wirklich überrascht, denn wir erleben diese Entwicklung tagtäglich in unserem Geschäft“, fährt er fort.

Auf knapp 40 Seiten zeigt die Untersuchung des BVK, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) entstanden ist, auf, wie sich deutsche mittelständische Unternehmen nach dem Einstieg von privatem Beteiligungskapital entwickeln. Betrachtet wird ein Zeitraum von drei Jahren nach dem Investment. Ausgangspunkt waren knapp 100 Unternehmen, die zwischen 2014 und 2016 durch eine Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligung übernommen oder finanziert wurden und für die auswertbare Jahresabschlusszahlen vorlagen. Dieses Panel wurde durch das IfM Bonn mit einer Kontrollgruppe verglichen, die bei Mitarbeiterzahl und Branche eine ähnliche Charakteristik aufwiesen.

Wichtige Kennzahlen steigen deutlich

Die mit Beteiligungskapital finanzierten Unternehmen verzeichnen nach den Aussagen der Studie ein deutliches Wachstum des Umsatzes und der Anzahl der Beschäftigten. Das Beschäftigungswachstum liegt in den drei Jahren nach dem Einstieg einer Beteiligungsgesellschaft mit durchschnittlich insgesamt 13% deutlich über dem Anstieg der Vergleichsgruppe und dem allgemeinen Anstieg sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in Deutschland. Der Umsatz wuchs über den gesamten Betrachtungszeitraum durchschnittlich um fast 21 Prozent und damit ebenfalls stärker als in der Vergleichsgruppe (13%). Zudem lag die durchschnittliche Eigenkapitalquote mit rund 29 bis 31% bei den mit Beteiligungskapital finanzierten Unternehmen über der der Vergleichsunternehmen (24-28%).

Investoren brauchen Wachstum

Frank Hüther

Dass sich die Investoren nicht auf dem Erreichten ausruhen, zeigt sich daran, dass bei den mit Beteiligungskapital finanzierten Unternehmen das Anlagevermögen in den drei Jahren nach dem Investoreneinstieg um durchschnittlich 17% zunahm. In der Vergleichsgruppe sank dieser Wert hingegen um 5%. Private Equity-Investoren müssen den Wert ihrer Portfolios auch durch Investitionen steigern, denn sonst können sie ihre Beteiligungen später nicht zu einem höheren Preis weiter reichen. Von dieser Entwicklung profitieren dann beide Seiten. Mit einem reinen Kosten- und Beschäftigungsschnitt lassen sich diese Werte und Entwicklungen nicht erreichen. Um das Wachstum und die damit einhergehenden Investitionen zu finanzieren, wurde von den betrachteten Unternehmen vermehrt Fremdkapital in Anspruch genommen. „Angesichts der Niedrigzinssituation auf den Kapitalmärkten ist dies nicht verwunderlich. Der deutsche Mittelstand nutzt die günstige Finanzierungsoption und investiert in die Zukunft“, kommentiert Hüther.

Private Equity wird beliebter

Im Gespräch mit unserer Redaktion äußerte Hüther die Hoffnung, dass die positiven Auswirkungen von Investoren stärker in das Bewusstsein von Unternehmern und ihren Beratern rücken. Das sei ein wesentliches Ziel dieser neuen Studie. „Viele Mittelständler haben privates Beteiligungskapital leider nicht auf dem Schirm, wenn es um Nachfolgesituationen, Internationalisierung und Wachstumsstrategie geht“, sagt Hüther. Trotzdem habe er in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass eine neue Generation von Unternehmern heranwächst, die weniger Berührungsängste gegenüber Private Equity haben. „Das Image verbessert sich immer weiter und die Entscheider denken auch verstärkt darüber nach, externe Investoren an Bord zu holen“, fährt er fort. Allerdings sei es noch ein weiter Weg, bis ein Level erreicht wird, der jetzt schon in der Venture-Capital-Branche üblich ist. Hier gehört es zum guten Ton und gilt als Erfolgskriterium, wenn man private Investoren gewinnen kann. Hier wird die Private-Equity-Branche und ihr Verband noch weiter Aufklärungs- und Aufbauarbeit leisten müssen.

Nicht nur Kapital – auch Expertise

Zugleich liegt Hüther auch am Herzen, dass ein Investor nicht nur ein „Zahlmeister“ oder Kapitalgeber ist, sondern auch als Sparrings-Partner bei der weiteren Unternehmensentwicklung helfen kann und will. Immerhin haben beide das gleiche Ziel: Wachstum und Wertsteigerung. Private-Equity-Investoren haben viele Erfahrungen bereits in früheren Beteiligungen gesammelt, kennen Märkte und haben ein großes Netzwerk. Von diesem Know-how kann ein Unternehmen profitieren und vermeidet möglicherweise teure Fehler.

Nach Corona wird Kapital benötigt

Im „Jahr eins“ nach Corona rechnet Hüther zudem damit, dass viele Betriebe an ihrem Geschäftsmodell arbeiten, neue Märkte erschließen wollen und die Digitalisierung vorantreiben. Alle diese wichtigen Schritte kosten Geld und somit biete sich eine Kooperation mit Private-Equity-Investoren an. Beteiligungskapital ist nach Hüthers Meinung wichtige Säule der Unternehmensfinanzierung in Deutschland. Im Jahr 2020 seien insgesamt 14,8 Mrd. EUR in mehr als 1.000 deutsche Unternehmen unterschiedlichster Größe und Alters investiert worden. Der Großteil erfolgte in kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten.

Studie lief seit November 2020

Der BVK hatte mit den Vorbereitungen für seine neue Studie im November 2020 begonnen. Dieses Datum ist nicht ganz unwichtig: Zum Beginn 2021 veröffentlichte die Hans-Böckler-Stiftung eine stark diskutierte Untersuchung, die der Private-Equity-Branche ein eher schlechtes Zeugnis ausstellt. „Damals waren wir schon in unserem Projekt aktiv“, erinnert sich Hüther. Er setzt sich auch zum Ziel, dass der BVK die zukünftigen Entwicklungen auch auf dem Beteiligungsmarkt für KMU in ähnlich gelagerten Untersuchungen möglichst kontinuierlich begleitet, um die positiven Auswirkungen von Private-Equity-Beteiligungen auch wissenschaftlich belegen zu können.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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