Wirtschaftsprognosen weitgehend positiv

DBAG
(c) suphakit73

Dank der anhaltend rasanten Erholung verzeichnete die deutsche Wirtschaft nach den aktuellen Zahlen des Wirtschaftsforschungsinstituts IHS Markit ein neues  Rekordwachstum. Die anziehende Nachfrage und zunehmende Kapazitätsengpässe sorgten überdies dafür, dass die Beschäftigtenzahlen so stark zulegten wie nie zuvor.  Mit dieser sehr erfreulichen Nachricht beginnen wir unseren Überblick über die aktuellen Wirtschaftsprognosen.

Der IHS Markit Flash Index legte gegenüber Juni um 2,4 Punkte auf 62,5 zu. Dies sei der höchste Wert seit Beginn der eigenen Erhebung der Daten aus Industrie und Servicesektor im Januar 1998. Die entscheidenden Wachstumsimpulse seien vom Servicesektor ausgegangen, wo die Geschäfte aufgrund der gelockerten Corona-Restriktionen und der anziehenden Nachfrage so gut liefen wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung dieser Daten.

IHS MarkitDie Auftragsbücher der Industriebetriebe seien so gut gefüllt wie zuletzt im April dieses Jahres. Und da auch die Dienstleister beim Neugeschäft das zweithöchste Plus seit Umfragebeginn verbuchten sei der Gesamtauftragsindex im Juli auf ein neues Allzeithoch gestiegen. Phil Smith, Associate Director bei IHS Markit, kommentiert: „Die deutsche Wirtschaft befand sich im Juli weiter auf der Überholspur. Angekurbelt von einem wiedererstarkten Dienstleistungssektor, liegt der Composite Index Produktion nun auf einem Rekordhoch und signalisiert damit, dass der Aufschwung zu Beginn des dritten Quartals 2021 weiter eine starke Dynamik hat.

EZB hebt Wachstumsprognose an

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Prognose für das laufende Jahr angehoben. Das Wirtschaftswachstum des Bruttoinlandsprodukts in der Eurozone soll auf 4,7% steigen. Im Frühjahr waren die Volkswirte der EZB noch von einem Wert von 4,2% ausgegangen. Auch für das Jahr 2022 rechnet die EZB mit einem höheren Wachstum von 4,6%, die alte Prognose lag bei 4,1%. Die EZB veröffentlicht vier Mal im Jahr eine Konjunkturprognose auf der Basis einer Befragung von Volkswirten.

Ifo-Index sinkt leicht

ifo-IndexNach Ansicht der Experten des Münchener ifo-Instituts hat die Stimmung in der deutschen Wirtschaft einen leichten Dämpfer erhalten. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Juli leicht auf 100,8 Punkte gefallen, nach 101,7 Punkten im Juni. Die Unternehmen würden ihre aktuelle Geschäftslage etwas besser beurteilen. Jedoch würde der Optimismus mit Blick auf die Entwicklung in den kommenden Monaten merklich abnehmen. Als Grund für diesen Bruch in der Stimmung sehen die ifo-Experten die Lieferengpässe bei Vorprodukten und Sorgen um wieder steigende Infektionszahlen. Besonders im verarbeitenden Gewerbe habe sich die Stimmung weiter verschlechtert. Der Index für die Geschäftserwartungen sank hier bereits zum vierten Mal in Folge.

Bundesbank sieht weiter Wirtschaftswachstum

Nach dem aktuellen Monatsbericht der deutschen Bundesbank hat die Wirtschaftsleistung in Deutschland im zweiten Quartal zugenommen. Getragen wurde die Erholung laut Bundesbank zum großen Teil vom Dienstleistungssektor. Die Lockerungen der Corona-Auflagen hätten ab Mai zu einem kräftigen Anstieg der Aktivitäten geführt. Anders sieht es im Industriesektor aus, denn dort bremsen anhaltende Lieferengpässe bei Vorprodukten die Produktion. Besonders in der Automobilindustrie komme es deshalb zu erheblichen Einbußen bei der Fertigung. Wenn sich die insgesamt aber erfreuliche Entwicklung fortsetze, dann könnte das reale Bruttoinlandsprodukt in Deutschland schon im dritten Vierteljahr sein Vorkrisenniveau wieder erreichen.

Nachfrage nach Krediten sinkt

Die Nachfrage nach Bankkrediten verharrt nach einer Analyse der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) weiterhin auf schwachem unterdurchschnittlichem Niveau. Der Anteil der Mittelständler, die im zweiten Quartal Kreditverhandlungen mit ihren Banken führten, reduzierte sich um rund 1% auf 19,5%. Das sei der niedrigste Wert seit Beginn der Befragung für die KfW-ifo-Kredithürde im Jahr 2017. Auch bei den Großunternehmen sei der Anteil auf einen Wert von 27,7% abgesunken. Als Grund für diese Entwicklung sehen die KfW-Experten die fehlende Planungssicherheit für Unternehmen. Angebotsengpässe durch Lieferengpässe und die drohende vierte Corona-Welle erschweren den Betrieben eine langfristige Prognose und verhindern damit Investitionsentscheidungen.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

Vorheriger ArtikelDBAG schraubt Prognose nach oben
Nächster ArtikelHardinge übernimmt Weisser