Wirtschaftsprognosen steigen deutlich

Die Wirtschaftsprognosen haben sich erneut deutlich verbessert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Juni auf 101,8 Punkte gestiegen.
(c) Naypong Studio

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich erneut deutlich verbessert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Juni auf 101,8 Punkte gestiegen, nach 99,2 Punkten im Mai. Mit dieser sehr guten Nachricht beginnen wir unseren Überblick über die aktuellen Wirtschaftsprognosen.

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„Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage erheblich besser. Auch der Optimismus mit Blick auf das zweite Halbjahr nahm zu. Die deutsche Wirtschaft schüttelt die Coronakrise ab“, erklärt ifo-Präsident Clemens Fuest zu den aktuellen Zahlen. Im Verarbeitenden Gewerbe erreichte der ifo-Index den höchsten Wert seit April 2018. Die Unternehmen seien deutlich zufriedener mit den laufenden Geschäften. Unter der generell sehr guten Entwicklung in den Industriebranchen seien der Maschinenbau und die Elektroindustrie hervorzuheben. Sorgen bereiteten vielen Unternehmen die zunehmenden Engpässe bei Vorprodukten. Im Dienstleistungssektor machte der ifo-Geschäftsklimaindex einen deutlichen Sprung nach oben. Vor allem die Logistikbranche und die IT-Dienstleister hätten von sehr gut laufenden Geschäften berichtet.

Nachfrage nach Krediten steigt

Die Finanzierungssituation der Unternehmen in Deutschland ist angespannter als in den Vorjahren. Dies zeigen die Ergebnisse der Unternehmensbefragung 2021 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Verschlechterung der Situation liege nicht nur an dem unsicheren konjunkturellen Umfeld, sondern auch an der sich verschlechternden Eigenkapitalsituation. Entsprechend gedämpft sei auch die Investitionstätigkeit der Unternehmen im vergangenen Jahr gewesen. Rund 36% der Unternehmen berichteten von einem leichten Kreditzugang. Mehr als jedes vierte befragte Unternehmen meldete dagegen Schwierigkeiten – gegenüber dem Vorjahr hat sich dieser Anteil mehr als verdoppelt.

Gleichzeitig nach der KfW-Erhebung ist die Nachfrage nach Bankkrediten im vergangenen Jahr deutlich gestiegen: 62,2% der Unternehmen haben Kreditverhandlungen geführt. Insbesondere langfristige Kredite seien dabei gefragt gewesen: 59,6% der kreditnachfragenden Firmen führten hierzu Kreditverhandlungen. 39,5% der befragten Betriebe berichteten von einer Verschlechterung ihrer Eigenkapitalquote. Lediglich 29,7% der Unternehmen meldeten eine Verbesserung. Aktuell planen laut KfW rund 37% der befragten Unternehmen ihre Eigenkapitalquote zu erhöhen. Mit einem Anteil von 72% soll dies besonders häufig mittels der Einbehaltung von Gewinnen realisiert werden.

Unternehmensinsolvenzen gehen weiter zurück

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Das Insolvenzgeschehen bei den Unternehmen blieb somit weiter rückläufig. Im 1. Halbjahr 2021 waren nach einer Erhebung von Creditreform 8.800 Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen – ein Rückgang um 1,7% gegenüber dem Vorjahreszeitraum (1. Halbjahr 2020: 8.950). „Bei der Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen wirken weiterhin die staatlichen Corona-Hilfsmaßnahmen nach – insbesondere die Aufhebung der Insolvenzantragspflicht, die bis Ende April galt“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Die Wirtschaftsbereiche, die stärker vom Lockdown betroffen waren – also Handel und Dienstleistungen – zeigten nach den Creditreform-Zahlen in den ersten sechs Monaten ein zunehmendes Insolvenzaufkommen. Der Handel verzeichnete 1.920 Insolvenzen – ein Plus von 3,8% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.  Im Dienstleistungsgewerbe gab es 5.120 Insolvenzen. Auch das war ein leichter Anstieg (plus 0,2%). Im Verarbeitenden Gewerbe war hingegen ein Rückgang festzustellen (-23,6%).

IHS Markit sieht starken Aufschwung

Dank zunehmender Lockerungen der Corona-Restriktionen und Nachholeffekten in vielen Branchen hat der Aufschwung der deutschen Wirtschaft nach Erhebungen des Wirtschaftsforschungsinstitutes IHS Markit im Juni wieder spürbar an Dynamik gewonnen. Der IHS Markit Flash Deutschland Composite Index Produktion legte gegenüber Mai um satte 4,2 Punkte auf 60,4 zu – der höchste Wert seit März 2011. Die zusätzlichen Wachstumsimpulse gingen diesmal von beiden der in der Umfrage erfassten Sektoren aus: Bei den Dienstleistern liefen die Geschäfte so gut wie seit über zehn Jahren nicht mehr. In der Industrie wurde die Produktion – nach zweimonatiger Abschwächung – wieder stärker hochgefahren. Ausschlaggebend hierfür waren laut Befragten die höheren Auftragsvolumina und die nachlassenden Lieferschwierigkeiten für einige Produktionsmaterialien und Komponenten.

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Der Gesamtauftragseingang wies nach der IHS Marktit Analyse im Juni das höchste Plus seit Januar 2011 aus. Dies sei vor allem auf den Servicesektor zurückzuführen, da das Neugeschäft so rasant zulegte wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Als Problem könnte sich langfristig erweisen, dass die Einkaufspreise im Juni noch stärker stiegen als im bisherigen Rekordmonat Mai. Phil Smith, Associate Director bei IHS Markit, kommentiert: „Wie erwartet, hat die weitere Lockerung der Coronarestriktionen der Erholung der deutschen Wirtschaft einen zusätzlichen Schub verliehen, wie der höchste Wert des Flash-PMI seit über zehn Jahren signalisiert. Und da im Juli weitere Beschränkungen aufgehoben werden sollen, dürfte sich diese starke Dynamik auch im dritten Quartal 2021 fortsetzen. Ermutigend ist zudem, dass es in der Industrie nach der jüngsten Wachstumsdelle wieder besser läuft. Lieferengpässe sind zwar immer noch weit verbreitet, aber dass die Anzahl der Unternehmen, die von längeren Lieferzeiten und gestiegenen Materialpreisen berichten, zurückgeht, ist vielleicht ein erstes Anzeichen dafür, dass das Schlimmste überstanden ist“.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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