Wirtschaftsprognosen: Hätte – Hätte – Lieferkette

Aktuelle Wirtschaftsprognosen
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Nun schwenkt auch die Bundesregierung in ihrer Herbstprojektion auf die bisherigen Wirtschaftsprognosen der Institute und Experten ein: Das Wachstum kommt – aber es kommt später. Bisher wurde ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 3,5% erwartet – nun sind es nur noch 2,6%. Nächstes Jahr dürfte die Wirtschaft dafür um 4,1 Prozent zulegen, das sind 0,5 Punkte mehr als bislang gedacht. Mit diesen nachdenklich stimmenden Nachrichten beginnen wir die Übersicht aktueller Wirtschaftsprognosen.

Die konjunkturelle Lage ist nach Ansicht des Wirtschaftsministeriums aktuell zweigeteilt: Einerseits habe sich die Stimmung der Dienstleister durch den Fortschritt bei den Impfungen in den letzten Monat stark verbessert. Der private Konsum sei deswegen im Moment die Triebfeder der wirtschaftlichen Erholung. Andererseits leide das Verarbeitende Gewerbe unter einer „historisch einmaligen Knappheit“ an Vorleistungsgütern. Das habe die Industriekonjunktur insbesondere im dritten und vierten Quartal 2021 ausgebremst.

BIP HerbstprognoseDie Nachfrage nach deutschen Produkten auf den Weltmärkten bleibt laut Ministerium aber nach wie vor hoch. Dazu der scheidende Bundeswirtschaftsminister Altmaier: „Die Herbstprojektion zeigt, dass Deutschland nach der Corona-Krise wieder auf dem Wachstumspfad ist. In diesem Jahr kommt es angesichts der aktuellen Lieferengpässe und weltweit hoher Energiepreise nicht zum erhofften Schlussspurt. Im Jahr 2022 gewinnt die Wirtschaft deutlich an Fahrt.“

Ifo-Index sinkt zum vierten Mal

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich nach der aktuellen Untersuchung des Münchener ifo-Instituts weiter eingetrübt. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Oktober auf 97,7 Punkte gefallen, nach 98,9 Punkten im September. Insbesondere die Erwartungen der Unternehmer seien immer mehr von Skepsis geprägt. Auch die aktuelle Lage schätzen die Firmen weniger gut ein, denn die Lieferprobleme machen den Firmen zu schaffen. Die schlechteren Werte des Index seien in allen Wirtschaftsbereichen zu verzeichnen: Vom Verarbeitenden Gewerbe über den Dienstleistungssektor bis zum Handel. Insbesondere die Probleme mit den Lieferketten machen sich immer stärker bemerkbar. Besonders deutlich sichtbar sei das laut ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe in der Autobranche sichtbar, der Chips und andere Vorprodukte fehlen. Hier sei die Kapazitätsauslastung von zuletzt 85,2% auf aktuell nur noch 78,2% gesunken. Lediglich im Bauhauptgewerbe hat sich das Geschäftsklima erneut verbessert. Die Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Lage etwas besser.

Preise steigen immer weiter

Die Inflationsrate in Deutschland wird im Oktober 2021 voraussichtlich 4,5 % betragen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach bisher vorliegenden Ergebnissen weiter mitteilt, steigen die Verbraucherpreise gegenüber September 2021 voraussichtlich um 0,5 %. Der Oktober-Wert für die Inflation hat damit den höchsten Stand seit 28 Jahren erreicht. Nach Ansicht von Destatis wirken sich insbesondere die temporäre Senkung der Mehrwertsteuersätze und der Preisverfall der Mineralölprodukte – beide im Jahr 2020 – erhöhend auf die Gesamtteuerung aus. Ein weiterer Faktor sei die 2021 eingeführte CO2-Bepreisung.

IHS-Markit-Index sinkt immer weiter

Die deutsche Wirtschaft ist im Oktober nur noch leicht gewachsen. Der Rekordanstieg der Verkaufs-  und Angebotspreise für Güter und Dienstleistungen sorgt nach Ansicht der Experten von IHS Markit   für einen anhaltend hohen Inflationsdruck. Der IHS Markit Composite Index Produktion gab binnen Monatsfrist um 3,5 Punkte auf ein Acht-Monatstief von 52,0 nach und signalisierte damit eine deutliche Wachstumsverlangsamung. Seit dem Rekordhoch im Juli 2021 ist der Index nunmehr kontinuierlich gesunken – die gute Stimmung scheint vorbei zu sein.

Phil Smith, Associate Director bei IHS Markit, kommentiert: „Die Flash-PMI-Daten vom Oktober deuten darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland zu Beginn des vierten Quartals 2021 zu stagnieren beginnt. So hat sich die Wachstumsrate auf ein moderates Tempo verlangsamt, wobei Versorgungsengpässe die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe gebremst haben und die Erholung im Servicesektor weiter an Schwung verloren hat, was zum Teil auf Lieferprobleme zurückzuführen war, die auf diesen Sektor übergegriffen haben. Besorgniserregend ist, dass die Wachstumsverlangsamung mit einer erneuten Beschleunigung des Anstiegs der Einkaufs- und Verkaufspreise der Unternehmen zusammenfällt.“

Verbraucherstimmung wird wieder positiv

HDE Konjunkturbarometer
© HDE

Die Verbraucherstimmung klettert auf ihr Vorjahresniveau. Das zeigt das aktuelle HDE-Konsumbarometer des Handelsverband Deutschland (HDE). Mit Blick auf die bevorstehende Weihnachtszeit zeigten sich die Verbraucher insbesondere bei der eigenen Einkommensentwicklung optimistischer. In der Folge seien sie auch wieder stärker bereit, ihr Geld für Anschaffungen auszugeben. Im Vergleich zum Vorjahr – als wieder ein Lockdown das gesellschaftliche Leben einschnürte – sei die Bereitschaft zu Konsumausgaben etwas größer. Mit dem Anstieg des aktuellen HDE-Konjunkturbarometers endet eine dreimonatige Phase mit sinkender Verbraucherstimmung.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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