Wirtschaftsprognosen bessern sich

Wirtschaftsprognosen
(c) SciePro

Die Stimmung in den mittelständischen Unternehmen bessert sich im März nach einer Befragung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zum zweiten Mal in Folge – und diesmal sogar ausgesprochen deutlich. Mit einsetzendem Frühling steigt das Geschäftsklima der Mittelständler um 8,1 Zähler auf -minus 1,6 Saldenpunkte. Die Stimmung ist also noch „unter Null“ – aber sie zeigt stramm nach oben. Mit diesen guten Nachrichten beginnen wir unseren aktuellen Überblick über die Wirtschaftsprognosen.

Quelle: KfW und ifo

Die wirtschaftliche Stimmung verbessert sich nach Angaben der KfW im März über alle Branchen und Unternehmensgrößenklassen hinweg spürbar. Auf die mit Abstand deutlichsten Anstiege beim Geschäftsklima kommen die Einzelhändler beider Größenklassen. Bei den Mittelständlern steigert sich die Stimmung um 15,8 Zähler, bei den Großunternehmen um 17,6 Punkte. Überdurchschnittlich gut ist das Geschäftsklima unverändert im Verarbeitenden Gewerbe und hier insbesondere in der Großindustrie, wo es sich im März auf hohem Niveau nochmals um acht Zähler verbessert.

Insgesamt zeigt sich, dass die Großunternehmen erheblich besser gestimmt sind. Einschränkend muss angemerkt werden, dass die Befragung der KfW zum Monatsanfang erfolgte – zu dieser Zeit war ein erneuter Lockdown aufgrund steigender Infektionszahlen nicht zu erwarten. Für das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer werden monatlich 9.000 Unternehmen aus den Wirtschaftsbereichen Verarbeitendes Gewerbe, Bauhauptgewerbe, Großhandel, Einzelhandel sowie Dienstleistungen befragt.

IHS Markit sieht neue Rekordwerte

Zum Ende des ersten Quartals hat sich das Wachstumstempo in der deutschen Industrie nach einer Untersuchung von IHK Markit deutlich beschleunigt. Demnach wurden sowohl beim Auftragseingang als auch bei der Produktion die stärksten Zuwächse seit Umfragebeginn im Jahr 1996 verzeichnet. Die zunehmenden Kapazitätsengpässe und die nach wie vor positiven Geschäftsaussichten hätten zudem zu einem ersten Anstieg der Beschäftigung seit mehr als zwei Jahren geführt. Der saisonbereinigte IHS Markit/BME Einkaufsmanagerindex stieg im März mit 66,6 Punkten auf ein neues Allzeithoch. Der aktuelle Aufschwung gehe in erster Linie auf das starke Wachstum beim Auftragseingang zurück.

WirtschaftsprognosenPhil Smith, Associate Director bei IHS Markit kommentiert den finalen IHS Markit/BME Einkaufsmanagerindex: „Der deutsche Einkaufsmanagerindex für die Industrie feierte sein 25-jähriges Jubiläum im März mit dem Rekordwert von 66,6 Punkten. Ein weiterer Beleg dafür, dass das Wachstum immer mehr an Fahrt gewinnt. Allen voran das Exportgeschäft, das aufgrund starker Verkaufszahlen in den USA und China mächtig boomt und für ungeahnte Wachstumsraten bei zahlreichen deutschen Herstellern sorgte.“  Die Daten signalisierten allerdings auch, dass sich die Situation im Zulieferbereich weiter zuspitzt. Im März hätten sich die Lieferzeiten in einem nie zuvor gesehenen Ausmaß verlängert – und das bereits vor der Blockade des Suez-Kanals.

Lage der deutschen Autoindustrie verbessert

Die aktuellen Geschäfte der deutschen Autohersteller und ihrer Zulieferer sind im März nach einer Untersuchung des ifo-Instituts besser gelaufen. Die ifo-Geschäftslage für die Branche stieg im März auf plus 7,9 Punkte, nach minus 0,4 im Februar. „Bei den Autobauern ist der Frühling angekommen“, sagt Klaus Wohlrabe, der Leiter der ifo-Umfragen. „Die Autobauer konnten aber ihre Auftragsbücher weiter füllen“, fügt Wohlrabe hinzu. Die Produktion soll nach den ifo-Zahlen weiter hochgefahren werden. Der Indikator stieg auf 46,1 Punkte, nach 35,7 im Februar. Für das Exportgeschäft erwarten die Autobauer laut Wohlrabe eine positive Entwicklung. Trotz gut laufender Geschäfte würden die Unternehmen allerdings mit weniger Personal planen.

Verbraucherstimmung hellt sich auf

Die Stimmung der Verbraucher bleibt nach einer Untersuchung des Handelsverband Deutschland (HDE) auch im April im Aufwärtstrend. Das aktuelle HDE-Konsumbarometer steigt den zweiten Monat in Folge an und erreicht damit fast das Niveau von vor einem Jahr, als die Pandemie gerade ihren Anfang nahm. Noch deutlicher als im Vormonat sei damit eine Entkopplung der Verbraucherstimmung vom Infektionsgeschehen zu beobachten. Zurückzuführen ist die Stimmungsaufhellung nach der Untersuchung des HDE insbesondere auf die zunehmende Anschaffungsneigung der Verbraucher. Die notwendigen finanziellen Mittel seien durch den lockdown-bedingten Konsumverzicht der vergangenen Monate vorhanden. Zu erwarten sei ein kräftiges Wachstum des privaten Konsums, das allerdings erst gegen Ende des zweiten oder zum dritten Quartal einsetzen wird. Das HDE-Konsumbarometer erscheint monatlich und basiert auf einer Umfrage unter 2.000 Personen zur Anschaffungsneigung, Sparneigung, finanziellen Situation und anderen konsumrelevanten Faktoren.

ifo Beschäftigungsbarometer steigt

Die deutschen Unternehmen wollen zunehmend neue Mitarbeiter einstellen, denn das ifo Beschäftigungsbarometer ist im März kräftig gestiegen und steht bei 97,6 Punkten, nach 94,5 Punkten im Februar. Das ist der höchste Wert seit Februar 2020. Der Arbeitsmarkt setzt nach Einschätzung der ifo-Experten zu einer Erholung an, trotz des Lockdowns. In der Industrie setze sich der Aufschwung auch auf dem Arbeitsmarkt fort und motiviere die Unternehmen zu ersten Neueinstellungen. Insbesondere die Elektroindustrie suche neue Mitarbeiter. Auch im Dienstleistungssektor hätten sich die Beschäftigungserwartungen spürbar verbessert.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

Vorheriger ArtikelDr. Stefan Piëch Preisträger des Internationalen Marken-Kolloquiums
Nächster ArtikelNeffe von Olaf Scholz: „Fondsstandortgesetz ist ein Rohrkrepierer“