Deutscher Corporate M&A-Kongress: „Exzellentes M&A-Jahr 2021“

Viele Fragen standen im Mittelpunkt des 19. Deutschen Corporate M&A-Kongresses von Convent am 16. November 2021.
© Nadine Stegemann

Wie sind die Aussichten für den M&A-Markt 2022? Was erwartet die Wirtschaft von einer neuen Bundesregierung? Wie wird die Digitalisierung die Prozesse weiter verändern? Diese und viele weitere Fragen und Themen standen im Mittelpunkt des 19. Deutschen Corporate M&A-Kongresses von Convent am 16. November 2021. Das Branchentreffen mit bis zu 400 Teilnehmern aus Konzernen und dem gehobenen Mittelstand tagte nach einer rein digitalen Konferenz im vergangenen Jahr nunmehr wieder live, allerdings mit mehr Platz und einem sicheren Hygienekonzept im Hotel Holiday Inn München City.

Detlev Leisse, der Geschäftsführer der Convent Kongresse GmbH; © Nadine Stegemann

„Noch nie stand die M&A-Branche derart im Fokus der Öffentlichkeit und noch nie stand sie unter einem solchen Druck der Transformation“, sagte Detlev Leisse, der Geschäftsführer der Convent Kongresse GmbH, in seiner Begrüßungsrede.

 

 

Prof. Dr. Kai Lucks, Vorsitzender des Vorstands des Bundesverbands Mergers & Acquisitions e.V.,; Foto: Nadine Stegemann

„Überall, wo es um Umbau geht, kommt M&A ins Spiel“, unterstrich der Vorsitzende des Vorstands des Bundesverbands Mergers & Acquisitions e.V., Prof. Dr. Kai Lucks, die Aussage seines Vorredners. In seinem Eröffnungsvortrag ging er auf die verschiedenen Wirkungen von M&A ein, die aktuelle Handlungsfelder wie Digitalisierung, Konsolidierung und ESG betreffen. „Wir stehen vor einer großen M&A-Welle. Die deutschen Unternehmen sitzen auf 700 Mrd. EUR Cash“, betonte der Verbandsvorsitzende.

Der Corporate M&A-Kongress ist eine der zentralen Plattformen in Deutschland im Bereich Unternehmenskauf und -verkauf. Seit 18 Jahren treffen sich im November bis zu 400 M&A-Verantwortliche aus Konzernen und dem gehobenen Mittelstand in Deutschland, tauschen sich über aktuelle Fragestellungen und Marktentwicklungen aus und vernetzen sich für zukünftige Transaktionen.

Die diesjährige Veranstaltung setzte sich aus drei Plenumsteilen und vier Forenetappen mit jeweils drei Foren zusammen. Vertreten war eine breite und hochkarätige Riege an M&A-Experten und -Beratungshäusern, darunter Namen wie Lincoln, Heuking, Oppenhoff, Deloitte, Dealcircle, DLA Piper, Warth & Klein Grant Thornten, Advant Beiten, DPE Deutsche Private Equity, Rödl & Partner, Accenture, Ebner Stolz und Datasite.

ESG-Themen werden wichtiger

Anna Gauto mit Martin Mildner, CFO der United Internet AG; © Nadine Stegemann

Den Auftakt machte ein One-on-One-Gespräch der freien Wirtschaftsjournalistin Anna Gauto mit Martin Mildner, CFO der United Internet AG, einer der großen europäischen Internetdienstleister. Unter anderem ging es um die gewachsene Bedeutung von ESG-Themen. „ESG ist heute ein Core-Bestandteil der Due Diligence. Nahezu die Hälfte der Zeit wird darauf verwendet. Transaktionen scheitern, wenn hier etwas nicht gefixt ist“, sagte Mildner. Auf der anderen Seite wisse derzeit kaum jemand, was an Green Fonds wirklich grün sei.

Weitere wichtige Themen, die in dem Schlagabtausch tangiert wurden, waren der Infrastrukturausbau und die Datensouveränität. „Wir müssen uns gegenüber den USA positionieren und brauchen dafür die gleichen schnellen und flexible Angebote wie die großen Player“, so der Konzernchef. Die deutschen Ministerien müssten ihre Genehmigungsprozesse verschlanken und auch mal den Mut haben, Google und Microsoft „draußen stehen zu lassen“.

Exzellentes M&A-Jahr 2021

Markus Rieger, Vorstand der GoingPublic Media AG, moderierte die Session; © Nadine Stegemann

„Bezeichnenderweise wurde am heutigen Tag das US-Patent auf die Coca-Cola-Flasche vergeben“, startete Markus Rieger, Vorstand der GoingPublic Media AG, seine Moderation des Plenumpanels „Aus der Praxis für die Praxis“ mit Erfahrungsberichten von Dr. Michael Drill von Lincoln International, Dr. Christoph Schmitt von Advant Beiten und Dr. Jens Ullrich von der RheinEnergie AG.

Dr. Michael Drill von Lincoln International; © Nadine Stegemann

Dr. Drill gab einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen am M&A-Markt: „Wir haben ein exzellentes M&A-Jahr 2021 erlebt.“ Dieses sei vor allem durch Nachholeffekte aus dem Coronajahr 2020 beflügelt worden. Transaktionen mit deutschen Targets seien über 50% angestiegen. Auch für 2022 rechnet der Investmentbanker mit einem anhaltend hohen Niveau an Transaktionen. Der erwartete Boom bei Distressed M&A sei bislang ausgeblieben. „Der Markt wird dominiert von gesunden Branchen.“

Dr. Schmitt widmete sich dem Thema „Green Finance“. Der Bereich habe sehr an Fahrt gewonnen, betonte er. Im ersten Quartal 2021 habe sich das Green-Finance-Volumen auf über 230 Mrd. EUR belaufen, was den Höhepunkt in der Historie dieses Segments markiere. Die Anzeigen für eine Blasenbildung mehrten sich jedoch.

In seinem Vortrag über Windparks rief Dr. Ullrich dazu auf, bei deren Bewertung mehr Wissenschaftler, Ingenieure und Ökonomen zu involvieren, damit die Berechnungen realistischer würden.

Zu den thematischen Schwerpunkten der einzelnen Foren zählten ferner unter anderem Carve-out-Transaktionen, Distressed M&A, ESG-Aspekte in M&A-Transaktionen, IPO, Software für M&A-Prozesse, Due-Diligence-Besonderheiten und Erfolgsrezepte von M&A-Vorreitern.

Digitalisierung: bereits einige Tools im Einsatz

Boris Dürr, Partner bei Heuking Kühn Lüer Wojtek, während des Schlussplenums; © Nadine Stegemann

Im Schlussplenum, das von Prof. Dr. Lucks moderiert wurde, ging es um Digitalisierung und die Frage, inwieweit diese schon im M&A-Geschäft angekommen ist. Graig Gröbli, Co-Founder und Managing Partner von DealCircle, sieht eine Veränderung im Dealsourcing. „Für Corporates ist es sehr wichtig, einen ausgewogenen Mix an Deals zu bekommen“, so Gröbli. DealCircle biete einen Service, bei dem Datenbanken abgeglichen und relevante Strategen identifiziert würden. Boris Dürr, Partner bei Heuking Kühn Lüer Wojtek, sprach über das Thema Dokumentenautomatisierung im M&A-Prozess. Sein Fazit: „Es gibt sinnvolle Tools, die die Prozesse effizienter machen. Diese eignen sich allerdings nur für Standarddokumente.“ Auf die Abschlussfrage, wie Deutschland auf diesem Gebiet im Vergleich zu anderen Ländern abschneidet, waren sich die Diskutanten einig, dass wir hier zwar nicht zu den Vorreitern zählen, aber auch nicht ganz schlecht dastehen. „Wir sind doch ganz gut!“, resümierte Prof. Dr. Lucks augenzwinkernd.


 

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Als Redaktionsleitung der Unternehmeredition berichtet Eva Rathgeber regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Wirtschaftsjournalismus und PR.

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